
Ursprünglich gehörten Vergänglichkeit und Tod nicht zum Leben in der Schöpfung. Im vorliegenden Text erfahren wir, warum es den Tod gibt.

Vorbemerkung: Wie bei allen Berichten in der Urgeschichte geht es auch hier um grundsätzliche Dinge. Deshalb ist es abwegig, spitzfindige Fragen zu stellen wie: Ging Gott wirklich wie ein Spaziergänger durch den Garten Eden ? Welche Gestalt hatte die Schlange vor dem Sündenfall ? usw. Es geht um Tieferes.
In 1. Mose 2,4-25 lesen wir, daß Gott in seiner Fürsorge für die Menschen den Garten Eden schuf. Sie sollten ihn bebauen und bewahren. Alles stand ihnen zur Verfügung, bis auf den Baum der Erkenntnis, von dem sie nicht essen sollten. Dieses Verbot zu übertreten hätte den Tod zur Folge (1. Mose 2, 17).
Die Kette der Versuchung
1. Mose 3, 1-7: Aber die Schlange war listiger... deshalb ist sie willkommenes Werkzeug des satanischen Versuchers, der hinter allem steht (Offb 12, 9). Es gelingt der Schlange, Eva in eine Diskussion über Gottes Gebote zu verwickeln (V 1 b). Schon hier beginnt eine Beziehung, die sich verhängnisvoll auswirken wird. Die Frau verteidigt zunächst Gott: Er sei sehr großzügig, eben bis auf die Sache mit dem Baum mitten im Garten. Die Schlange stellt daraufhin Gott als Lügner hin (V 4), ja behauptet sogar, er wolle die Menschen dumm erhalten (V 5). Eingewickelt in so viel Mißtrauen gegen den Schöpfer, offeriert sie die satanische Verheißung: Ihr werdet sein wie Gott. Eva durchschaut das teuflische Spiel nicht. Auf so einfache Weise klugwerden, grenzenlos leben können, wer möchte das nicht? Sie nimmt von der verbotenen Frucht, ißt, gibt sofort auch ihrem Mann davon. Wie bedenkenlos er mitmacht! Doch dann kommt das Erwachen (V 7): Die Worte der Schlange erfüllen sich zwar, aber ganz anders, als es sich die Verführten vorgestellt haben. Das neue Wissen macht sie nicht glücklicher. Sie verlieren ihre ursprüngliche Unbekümmertheit und sie beginnen, sich zu schämen. Sie haben gesündigt. Was aber noch tragischer ist: Unmerklich beginnt das große Sterben (1. Kor 15, 21 und Jak 1,15).
Die Kette der Entschuldigungen
1. Mose 3,8-13: Und sie hörten Gott den Herrn. Statt Gott gleich zu sein, fürchten sie sich vor ihm und versuchen zu fliehen. Aber wer kann dem Allgegenwärtigen entkommen (PS 139, 7ff.)? Um so mehr verwundert die Frage: Adam, wo bist Du (V 9)? Der Herr weiß natürlich, wo sich die beiden verkrochen haben. Er fragt, um Adam zur Besinnung zu bringen und ihm die Gelegenheit zu geben, seine Schuld zu bekennen. Adam versteht das offensichtlich nicht. Anstatt zu seiner Schuld zu stehen, belastet er die Frau, die er einst so verliebt begrüßte (2. Mose 2, 23). Was aber schlimmer ist: Indirekt beschuldigt er Gott (V12). Dabei hat Adam doch mit seiner Flucht längst zugegeben, dass er schuldig sei. Eva, ebenfalls zur Rede gestellt, macht die Schlange für das Dilemma verantwortlich (V 13). Schade, daß diese nicht auch Gelegenheit bekommt, sich zu rechtfertigen. Was hätte sie wohl gesagt? (Vielleicht: "Wer hat mich denn eigentlich in diesen Garten hineingesetzt?&Quot;) So schiebt einer die Schuld auf den anderen.
Die Kette der Strafen
1. Mose 3, 14-24: Weil du das getan hast.
Die Schlange wird sofort verflucht. Doch dieser Fluch Gottes enthält schon einen ersten Lichtblick. Manche Ausleger beziehen diese Stelle auf die Erlösung durch Jesus Christus.
Eva wird nicht verflucht, sondern bestraft. Sie wird im Zentrum ihres Wesens als Frau und Mutter getroffen. Auch die Herrschaft des Mannes über sie gehört nicht zur ursprünglichen Schöpfungsordnung (16b).
Bei Adam bezieht sich die Strafe auf sein Ringen um die Existenz. Die Arbeit wird künftig im Schatten des verlorenen Paradieses geschehen. Nur im Schweiße seines Angesichtes wird er sich und die Seinen ernähren können (Ps 90, 10: Pred 3, 9-10). Wie lange? ... bis du wieder zu Erde werdest (V 19). Der Tod ist also letztlich mehr als ein biologischer Vorgang. Er ist Gottes unerbittliches Nein zur Rebellion des Menschen (vgl. Röm 6,23). Und wie geht es jenseits von Eden weiter?
1. Mose 4, 1-16:
Dieser Ungehorsam der Ureltern hat die Urharmonie mit Gott nachhaltig zerstört. Zwar sind Kain und Abel fromme Kinder, denn sie vergessen z. B. nicht, Gott zu opfern, aber die Sünde herrscht schon über sie. Vergeblich versucht Gott, der sich weiter noch um seine Menschen kümmert, Kain zu warnen (V 7). Doch der bringt seinen Bruder um und vergießt so das erste Menschenblut. Seinem Hass ist die Frömmigkeit nicht gewachsen. Die Sünde hat ihn fest im Griff - so fest, dass er sogar Gott gegenüber den Empörten spielt und sich mit einer Lüge aus der Affäre zu ziehen versucht (V 9). Als Mörder entlarvt, ist er über sein Verbrechen nicht etwa erschüttert. Er jammert lediglich darüber, dass ihn nun eine zu harte Strafe trifft. Kain, der so töten konnte, hat auf einmal Angst um sein Leben (V 14b). Aber er braucht um sein Leben nicht zu fürchten. Gottes Zeichen (kein Mörderzeichen!) wird ihn schützen. Doch seine Zukunft wird von Unruhe und viel Sorge um das tägliche Brot überschattet sein.

Welche Antworten bekommen wir auf die Frage, wie der Tod begann ? Er begann, als sich Eva auf eine Diskussion mit der Schlange über Gottes Gebote einließ, als sie vom Baum der Erkenntnis nahm und aß und auch ihren Mann veranlasste, davon zu essen, als beide uneinsichtig ihre Schuld aufeinander abwälzten, leugneten und Gott sie bestrafte, als sie aus dem schützenden Garten Eden vertrieben wurden.
Eine Steigerung der Todeswirklichkeit erkennen wir darin, dass der älteste Sohn des ersten Menschenpaares seinen Bruder tötete, der Mörder unstet und flüchtig sein Leben im Schatten des Todes weiterleben mußte.

- Beschreibt die Beziehung zwischen Adam und Eva - im und außerhalb des Paradieses.
- Welche Rolle spielt die Schlagen in der Geschichte?
- Die Sünde "vererbt" sich an die nächste Generation in dieser Geschichte. Wie?
- Was im so genannten "Sündenfall" berichtet wird, erscheint manchem Bibelleser als eine Bagatelle. Daraus könne doch unmöglich all das Elend in der Welt (Hass, Verbrechen, Kriege mit Millionen Toten usw.) entstanden sein. Was antworten wir darauf?
- Beschreibt die Kette von der Versuchung bis zur Tat der Sünde bei Eva und Kain. Wie endet der Tod? Vgl. dazu 1.Kor 15, 26.54.55; 2. Tim 1,10; Offb 21.4.

- Was lernen wir aus dieser Geschichte über die Beziehung zwischen Ehepartnern und die zwischen Eltern und Kindern?
- In dem Text wird das Leben der ersten Menschen beschrieben. Ist es Fluch oder Segen, Fluch und Segen? Wo geschieht Segen, wo Fluch?
- "In der Bibel heißt es, dass Christen ihre Brüder lieben sollen und auch dass sie ihre Feinde lieben sollen, weil es meistens dieselben Personen sind." Chesterton
- Wie wird der Tod beschrieben? Wie hilft uns das mit Tod umzugehen?
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