
Wer regelmäßig am Abendmahl teilnimmt, dem sind die Einsetzungsworte Jesu sehr vertraut. Wenn wir sie in ihrem Zusammenhang lesen, werden Geber und Gabe des Abendmahls für uns neu lebendig.

V 7 - 13: Die Vorbereitung
V 7: An welchen Tag denkt Lukas? Das Fest der ungesäuerten Brote (2. Mose 12, 18-20) dauerte eigentlich eine ganze Woche lang und folgte auf das Passahfest (2. Mose 12, 5-10). Im jüdischen Brauchtum verbanden sich wahrscheinlich beide Feste zu einem einzigen großen Fest mit dem Passafest als Auftakt.
V 8: Jesus ergreift hier selbst die Initiative zur Vorbereitung des Festes. (Bei Mt und Mk erinnern ihn die Jünger.) Er ist deutlich Herr des ganzen folgenden Geschehens.
Wer das Passahfest feiern wollte, hatte viele Vorkehrungen zu treffen. Vor allem galt es, innerhalb der Mauern Jerusalems einen ausreichend großen Raum zu finden, um mit seiner Gemeinschaft von über zehn Personen Platz zu finden.
V 9 - 13: Die Umstände der Festvorbereitung erinnern an das, was vor dem Einzug in Jerusalem geschah (Lk 19, 28-34). Hatte Jesus vielleicht mit dem Hausherrn in Jerusalem abgesprochen, dass er an diesem Abend in seinem Haus zu Gast sein wollte? Musste er sein Quartier wegen der Gefahr der Gefangennahme geheimhalten? Der wassertragende Mann ist ein markantes Erkennungszeichen: normalerweise war dies Frauenarbeit.
V 14- 20: Das Mahl
V 14: Dies war nun eine ganz besondere "Stunde", eine mit Sorgfalt vorbereitete Zeit des Feierns und Betens mit seinen Jüngern. Lukas' Bericht dieses letzten Mahles rückt ganz in den Mittelpunkt.
V 15: Jesus spricht sehr persönlich. Er sagt es doppelt verstärkt: Mit Sehnsucht habe ich mich gesehnt... (Elberfelder Übersetzung). Der bevorstehende Abschied lastet auf ihm, und nur er sieht klar, was geschehen wird. Dreimal hatte er sein Leiden und Sterben vorausgesagt, ohne dass die Jünger etwas begriffen hatten (Lk 9, 22.44-45; 18, 31-34).
V 16 - 18: Aber mitten im Trennungsschmerz reicht sein Blick über den Tod hinaus bis in das vollendete Reich Gottes. Er sieht sich mit am Tisch des neuen Passahmahles sitzen. In zwei ähnlich gestalteten Sätzen, die er mit einem betonten: Ich sage euch... einleitet, nimmt er seine Jünger mit hinein in Abschied und Zukunftshoffnung.
Lukas gibt offensichtlich nur den Beginn der Passahfeier wieder. Sie lief nach einer vorgeschriebenen Ordnung ab, die durch vier Becher Wein an bestimmten Stellen der Passahmahles gegliedert wurde. Nach den einleitenden Worten reicht Jesus als der Hausvater den ersten Becher Wein, nachdem er das Dankgebet darüber gesprochen hat.
V 19 - 20: Matthäus und Markus berichten nur von einem einzigen - dem für die Einsetzung des Abendmahls entscheidenden - Becher (Mt 26, 27; Mk 14, 23). Warum spricht Lukas als einziger Evangelist von einem zweiten Becher Wein (V 20)? Es scheint, dass er Passahmahl und Becher in V 15-18 dem Brot und dem Becher in V 19-20 gegenüberstellt. Er beschreibt die Ablösung der "alten" Feier des Passahmahles durch die "neue" des Abendmahles. Jesus selbst setzt es ein mit den Worten, die seine Gemeinde in jeder Abendmahlsfeier wiederholt.
Jesus deutet das Brot: "Das - mein Leib" ("ist" wurde im Aramäischen nicht mitgesprochen). Er sagt damit: "Das bin ich selbst. Ich gebe mich hin für euch." Und wie er das Brot bricht und austeilt, so gibt er den Jüngern Anteil an seinem Sterben.
Der Kelch ist Zeichen des neuen Bundes. Der alte Bund zwischen Gott und seinem Volk war mit Blut am Sinai besiegelt worden (2. Mose 24.8). Das Blut Jesu, am Kreuz vergossen, besiegelt nun den neuen Bund. Ein für allemal ist durch den Opfertod Jesu die Vergebung der Sünden nicht nur für das eine Volk, sondern für alle Menschen möglich. Die Hoffnung Israels auf einen neuen, besseren Bund (Jer 31, 31-33) erfüllt sich mit Jesu Sterben. Wer das "für euch vergossen" von Herzen auf sich beziehen kann, der findet Rettung und ewige Zukunft bei Gott.
V 21 - 23: Ankündigung des Verrates
V 21 - 23: Es fällt auf, dass Lukas die Ankündigung des Verrates - anders als Mt und Mk - erst nach dem Abendmahl berichtet. Folgen wir Lukas, dann hat der Verräter an dieser letzten Mahlgemeinschaft teilgenommen.

- Das Abschiedsmahl
Jesus steht unmittelbar vor seinem schweren Weg ans Kreuz. Er ist nach Jerusalem gekommen, um sein Werk zu vollenden. Wir sehen Jesus als Menschen, dem die Lebens- und Lerngemeinschaft mit seinen Jüngern in den letzten drei Jahren viel bedeutet hat. Diese irdische Gemeinschaft soll nun im Passahmahl ihren Höhepunkt und ihren Abschluss finden. Vielleicht möchte Jesus daraus auch Kraft und Zuversicht für sein Leiden und Sterben schöpfen?
- Das neue Mahl
- Das Abendmahl ist ein Erinnerungsmahl
Das tut zu meinem Gedächtnis: Damit ist nicht ein ehrendes Andenken an einen Toten gemeint. Der Herr selbst ist im Mahl gegenwärtig, und er zeigt uns immer wieder neu, dass er für uns sein Leben gelassen hat. Anbetend und staunend nehmen wir Brot und Wein in uns auf und wissen neu, dass er auch für unsere Sünden gestorben ist. Er hat einen neuen Bund aufgerichtet: Wer an Jesus Christus glaubt, dem sind die Sünden vergeben, den nimmt Gott an und der ist der Macht Satans entzogen.
- Das Abendmahl ist ein Gemeinschaftsmahl
Im Mahl schenkt sich der Herr uns selbst. Er stiftet Gemeinschaft: So sind wir mit ihm und auch untereinander verbunden. Wir sind Teil des neuen Gottesvolkes, das er durch den neuen Bund geschaffen hat.
- Das Abendmahl ist ein Hoffnungsmahl
Das Mahl will unseren Blick auf die Vollendung des Reiches Gottes lenken. Maranatha - unser Herr, komm! - dieser Sehnsuchtsruf gehörte wahrscheinlich fest zur Abendmahlsliturgie der ersten Gemeinden. Einmal wird der, dessen Gemeinschaft wir im Abendmahl schon so deutlich spüren, mit uns am Tisch im Reich Gottes sitzen und Brot und Wein mit uns teilen.

- Jesus und seine Jünger bereiten das Passahfest vor und feiern es gemeinsam. Was wird berichtet, was nicht?
- Was wisst Ihr über das Passahfest? Was hat Jesus und seine Jünger gefeiert? Was bedeutet das im Bezug auf das Abendmahl?
- Was will Jesus den Jüngern an diesem letzten gemeinsamen Abend vermitteln?
- Judas nimmt an diesem letzten gemeinsamen Mahl teil. Was bedeutet das für den Verräter?

- Was erhoffe und erwarte ich von einer Abendmahlsfeier? Tauscht Euch aus! - Hat Gott auch Erwartungen an uns?
- Welche Seite des Abendmahls (Erinnerung, Gemeinschaft, Hoffnung) wird in Eurer Gemeinde am meisten betont? Was schlagt Ihr vor, damit alle drei Schwerpunkte beim Abendmahl vorkommen?
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