
Jesus ist für Christen das "Brot des Lebens". Das gehört zu den vielen Selbstverständlichkeiten, über die man nach einiger Zeit nicht mehr nachdenkt. Was aber hat Jesus gemeint, als er dieses Wort prägte?

V 22 - 25: Der Zusammenhang. Nach dem Brotwunder (V 1 - 15) sind die Jünger mit dem Boot zunächst allein in Richtung Kapernaum losgefahren (V 17). Jesus kommt dann in der Nacht auf dem See zu ihnen (V 19 - 21), nachdem er eine Zeit allein auf einem Berg zugebracht hat (V 15), wohl um zu beten. Am nächsten Tag treffen am Ort des Brotwunders erneut viele Menschen ein und suchen Jesus, den sie dann später in Kapernaum finden.
V 26 - 27: Nötiger als Brot und alle guten Gaben... Jesus geht vom Brotwunder aus und weist die Menschen auf Wichtigeres hin: Nicht mal kostenlos satt werden, ist entscheidend, sondern Jesus als die "Nahrung fürs ewige Leben" annehmen.
V 28 - 29: ...ist, dass wir dich, Herr Christ, auf unserer Wegfahrt haben (vgl. Gemeindelieder Nr. 432). Als gute Juden fragen die Menschen ganz im Sinne des alten Gesetzes nach dem, was sie selbst tun müssen. Jesu verblüffende Antwort: Gar nichts, Gottes Werk ist es, und allein der Glaube an Jesus Christus reicht! Ein neues Denken blitzt hier schon auf, das Paulus dann im Römerbrief entfaltet (vgl. Röm 3, 28).
V 30 - 36 und 48 - 51a: Um sich wirklich darauf einzulassen, dass Jesus ewiges Leben geben kann, dafür ist seinen Zuhörern das einmalige Brotwunder zu wenig. Da müßte schon jeden Tag Brot (wie in der Wüste das Manna) zur Verfügung stehen. Aber wieder weist Jesus - weg vom alltäglichen Brot - auf sich selbst hin. Wenn sie doch nur verstehen würden, wie er für sie unendlich mehr sein kann! Glauben, vertrauen, sich auf Jesus verlassen, das ist der einzige Schlüssel zum "Sattwerden", zum Glück! Man kann also nicht nur etwas von Jesus haben wollen, man kann nur ihn selber haben. Man kann die Gabe nur bekommen, wenn man dem Geber vertraut. Das aber wollen Jesu Gesprächspartner offensichtlich nicht (V 36).
V 37 - 40: Wer sich ganz auf Jesus verlässt und an ihn glaubt, geht eigentlich kein Risiko ein, sondern dem öffnen sich neue Horizonte: Er darf auf ewig mit Jesus leben (V 37 und 40). Ein solcher Mensch ist sogar wie ein Gottesgeschenk für Jesus (V 39). Was will man mehr?
V 41 - 47: Der Schein kann trügen: Wer Jesus nur als ganz normalen Sohn von Maria und Josef sehen will, dem bleibt zwangsläufig das Entscheidende verborgen. Die Voraussetzung zur richtigen Sicht Jesu ist wieder ganz allein der Glaube, das Vertrauen auf seine Worte (V 47). Wer sich darauf einlässt, dem öffnet Gott die Augen und das Herz dafür, wer Jesus wirklich ist (V 44 - 45).
V 51b - 59: Diese Verse sind hart und spitz. Für einen Juden gab es nichts Abscheulicheres, als Menschenfleisch zu essen oder gar Blut zu trinken (vgl. 3. Mose 17, 10-12 und Apg 15, 29). Manche Ausleger machen es sich deshalb sehr einfach, indem sie behaupten, dieser Abschnitt könne nicht von Jesus stammen, auch nicht von (dem Juden) Johannes geschrieben sein, er sei wohl nachträglich hinzugefügt worden, um das Abendmahl zu erklären.
Wenn wir aber den Text so ernst nehmen, wie er uns vorliegt, dann sehen wir: "Diese harten Worte Jesu sind in der Synagoge zu Kapernaum gefallen (V 59); Jesus Zuhörer dort sind aber nicht nur die Jünger, sondern überwiegend kritische Leute (V 41 und 52); und denen erklärt Jesus sicher nicht das Abendmahl, das noch nicht einmal die Jünger kannten. Das ursprüngliche Sinn dieser Rede Jesu dürfte deshalb kaum nur auf das Abendmahl zielen." Wie aber können wir es dann verstehen, wenn die Menschen Jesu Fleisch "kauen" (so wörtlich in V 54.56.57) und sein Blut trinken sollen?
Sicher nicht so wie in manchen heidnischen Kulten, wo man z. B. glaubte, durch das Trinken von Stirblut so stark wie ein Stier zu werden.
Vielleicht aber so: Brot stillt niemanden den Hunger, wenn er es nur anschaut. Es muss gegessen werden, um Leben zu geben. Damit könnte Jesus hier auf seinen Tod hinweisen: So wie irdisches Brot gegessen werden muss (V 51.58), sich opfern, um ewiges Leben zu geben. Das hieße dann für den Glaubenden, dass er Jesu Tod nicht nur zur Kenntnis nehmen kann wie andere Dinge, sondern Jesus so in sich aufnehmen muss wie ein Brot. An Jesus glauben heißt dann, so von ihm durchdrungen sein, als hätte man ihn gegessen. Wer so vom ewigen Brot Jesu lebt, hat ewiges Leben (V 54).
Natürlich weisen manche Andeutungen Jesu über diesen ursprünglichen Sinn hinaus und gewinnen im Nachhinein auch für das Abendmahl Bedeutung. Denn auch dort erinnern wir uns an den Tod Jesu und bekennen mit Paulus (l. Kor 10, 16): Der gesegnete Kelch, welchen wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft (=Anteil am ...!) des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft (= Anteil am ...!) des Leibes Christi? Im Sinne unseres Textes heißt das dann: Wenn ich beim Abendmahl Brot und Wein nehme, dann begegnet mir Jesus nicht nur durch das gehörte Wort, sondern auch meine anderen Sinne sind beteiligt. So wahr und so wirklich, wie ich das Brot beiße und den Wein schmecke, so wahr und so wirklich habe ich Jesus Christus aufgenommen, gehöre ich ihm.
Und noch eine Anmerkung: Dass uns gerade Johannes diese Rede Jesu so betont und ausführlich überliefert, könnte einleuchtende Gründe haben: Zu seiner Zeit traten Irrlehrer auf, die behaupteten, der himmlische Christus habe sich nur zum Schein mit dem irdischen Menschen Jesus verbunden, bei der Taufe. Kurz vor dem Kreuzestod habe er ihn dann wieder verlassen. Gestorben sei ein ganz normaler Mensch Jesus, nicht aber der himmlische Christus. Christus sei doch Gott, und ein Gott könne doch nicht sterben. Johannes aber bindet ewiges Leben klar an den Tod Jesu Christi!

Beeindruckt vom Brotwunder folgen viele Menschen Jesus.
Er aber sagt ihnen, dass es um Wichtigeres geht, als satt zu werden.
Nur wer ihn als "Brot des Lebens" aufnimmt, hat Zukunft bei Gott.
Darüber hinaus vertieft dieser Text unser Verständnis vom Abendmahl.

- Welche "Brotsorten" werden in diesem Text verglichen?
- Was will Jesus verdeutlichen, wenn er sich als Brot der Lebens beschreibt?
- Was sollten die Jünger und das Volk lernen?
- Welche Verse könnten gut bei einem Abendsmahlsgottesdienst gelesen werden? Warum?

- Wo machen wir aus Jesus, dem einzigen Schlüssel für eine wirkliche Zukunft, einen Lückenbüßergott, der uns nur in Kleinigkeiten zu helfen braucht?
- Was gehört alles dazu, Jesus "aufzunehmen" (vgl. Joh 1, 12)?
- Bei Taufe und Abendmahl begegnet uns das Evangelium spürbar und schmeckbar (entsprechend dem Modewort "ganzheitlich"). Warum sind wir so arm an solchen Elementen? Was könnte sich ändern?
- Wir singen gemeinsam das Lied zum Text (Gemeindelieder Nr. 432): "Nötiger als Brot ..."
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