
Manchmal wird behauptet, der Glaube und die Kirche seien nur etwas für "alte Mütterchen" oder einfache und kindliche Leute. Dieser Text zeigt uns, wie Paulus sich auch um die hochgebildeten und einflussreichen Leute in Athen bemüht.

V 16 - 17: Athen, mit damals etwa 5 000 Einwohnern, hatte nicht mehr die Bedeutung wie noch 200 Jahre zuvor. Mit der Ausbreitung des römischen Reiches wurde Athen immer mehr zur Provinzstadt - Rom war das unumstrittene Zentrum. Allerdings lebt Athen immer noch von dem Glanz und Ruhm der Philosophen wie Sokrates und Platon und war wichtige Stätte vieler nicht-jüdischer Götzenkulte.
Die beiden Verse geben ein gutes Bild von der Tätigkeit des Paulus. Er erkundet die Stadt, lehrt an den Sabbaten in der Synagoge und diskutiert täglich auf dem Marktplatz; die "Agora" war der Platz, auf dem sich das öffentliche Leben abspielte.
V 18 - 21: Einige Philosophen aber, Epikureer und Stoiker, stritten mit ihm.
Dort trifft Paulus auch auf die Anhänger der beiden verbreitetsten philosophischen Schulen der damaligen Zeit. Nach der Lehre der Epikureer liegt der Sinn des Lebens in ungestörtem Genuss. Die Stoiker lehren ein rechtes Handeln, zu dem vor allem Gerechtigkeit, Einsicht, Pflichterfüllung und Beherrschung der Triebe und Gefühle durch die Vernunft gehören. Für diese beiden philosophischen Richtungen ist der Glaube an etwas Göttliches - im Gegensatz zur Volksfrömmigkeit - eher störend, denn sie kennen nur den von Gott gelösten und auf sich selbst gestellten Menschen.
Von Paulus haben sie keine gute Meinung, denn seine Äußerungen lassen sich nicht in ihr philosophisches System einordnen. So nennen sie ihn einen Schwätzer (wörtlich: ein Körnerpicker, der sich aus jeder Lehre oder Weltanschauung ein paar Argumente herauspickt). Und er wolle fremde Götter verkündigen, nämlich Jesus und die Anastasis. (Das griechische Wort für Auferstehung klingt wie der Name einer Göttin.) Sie sind aber neugierig geworden und nehmen Paulus mit auf den Areopag, einem Hügel in der Stadt und Treffpunkt der gelehrten Griechen, denn alle Athener. .. hatten nichts anderes im Sinn, als etwas Neues zu sagen oder zu hören. Die Sucht der Griechen nach den allerneuesten Gedanken gibt Paulus die Gelegenheit zur Verkündigung des Evangeliums.
V 22 - 31: Die nun folgende Zusammenfassung seiner Predigt ist ein Beispiel, wie Paulus in der griechischen Welt das Evangelium verkündigt. Ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. Paulus bemüht sich um einen Anknüpfungspunkt, den seine Zuhörer auch verstehen. Ihm ist bei seinen Gängen durch die Stadt ein besonderes Heiligtum aufgefallen, das dem unbekannten Gott gewidmet ist. In ihrer gläubigen (oder vielleicht auch abergläubischen?) Art versuchen die Athener, möglichst jedem Gott gerecht zu werden, auch den Göttern, die sie nicht kennen. Dies nutzt Paulus, um seinen Zuhörern diesen unbekannten Gott nahezubringen (vgl. 1. Kor 9, 21).
Es ist der Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darin ist. Einen Schöpfergott leugnen auch die Griechen nicht, aber Paulus hebt diesen Schöpfergott heraus aus den vielfältigen Göttervorstellungen. Dieser Gott ist der Herr des Himmels und der Erde und deshalb auch der eine Gott. Trotz des Widerspruchs (beachte das zweimalige "nicht" in V 24 und 25) kommt Paulus den Athenern in ihrem Denken sehr entgegen.
Mit V 26 beginnt Paulus einen neuen Gedanken. Gott hat ja auch die Menschen geschaffen und ihnen Lebensraum gegeben. Er ist ihnen sogar so nahe, dass sie ihn suchen und finden können. Paulus verweist sie auf ihren Dichter Aratus und findet damit eine weitere erstaunliche Anknüpfung!
Paulus kommt zum Ziel seiner Predigt. Er lädt, sicherlich sehr indirekt, zur Umkehr und Buße ein. Paulus hält den Griechen, die so stolz auf ihre Weisheit sind, ihre Unwissenheit (V 30) vor Augen. Das Entscheidende aber wissen sie nicht: Der Mensch ohne Gott steht unter dem Gericht Gottes. Dieses Gericht wird Gott durch seinen Sohn Jesus Christus vollziehen. Ihn hat Gott vom Tode auferweckt und damit als Richter eingesetzt. Vor ihm gibt es kein Ansehen der Person, Paulus stellt sie alle vor die Entscheidung, Buße zu tun und zu glauben.
V 32 - 34: Die Reaktion der Zuhörer kommt einem Hinauswurf gleich. Als Paulus von Gericht und Auferstehung redet, stößt er bei den sonst so toleranten Griechen auf Ablehnung (vgl. 1. Kor 1, 21 - 23). Er erlebt die gleiche Reaktion auf das Evangelium wie heute auch manchmal: Spott und Aufschub auf der einen und Entscheidung für Christus auf der anderen Seite. Den Athenern ging es nicht um Veränderung ihres Lebens, sondern nur um neue, interessante Gedanken. Einige wenige werden gläubig. Eine Gemeinde kann Paulus nicht gründen; er verlässt die Stadt.

Paulus verkündet das Evangelium gemäß seines Auftrages allen Menschen - unabhängig von Erfolg oder Misserfolg.
Die Verkündigung des Paulus orientiert sich an seinen Zuhörern. Er berücksichtigt ihre Verstehensebene. Er ist bemüht, so deutlich und verständlich wie möglich zu reden.
Ohne das rettende Evangelium gehen die Menschen verloren - die Gebildeten ebenso wie die einfachen Leute.
Die verschiedenen Reaktionen auf die Verkündigung müssen ernstgenommen werden. Ein "Anbringenwollen um jeden Preis" kennt Paulus nicht.

- Was wisst Ihr über die Kultur Athens? Wie hat Paulus versucht, in dieser Kultur das Evangelium zu vermitteln? Welchen "Weg" ist er gegangen?
- Was waren die wichtigsten Punkte seiner Predigt?
- War Paulus in Athen nach Eurer Meinung ein erfolgreicher Missionar?

- Sprecht über die Verse 27 - 28. Wie erleben wir heute die Nähe Gottes?
- W. Barcley kommentiert die Reaktion der Athener so: "Es ging ihnen nicht um tätiges Handeln, ja nicht einmal darum, dass solche Diskussionen auch abgeschlossen wurden. Ihnen genügte das Geistestraining und der Reiz, den solche Gedankenflüge für sie besassen". Wie reagieren wir heute auf das verkündigte Wort Gottes?
- Paulus sieht sich in Athen um und sucht Anknüpfungspunkte für das Evangelium. Welche könnte es in unserer Umgebung geben?
- in meiner Nachbarschaft,
- im Umfeld des Gemeindehauses,
- in meinem Wohnort?
- Versucht die Predigt des Paulus in ihre inhaltlichen Schritte zu gliedern. Wie können wir heute anders Denkenden das Evangelium verkündigen?
- Paulus stellt sich sehr auf seine Zuhörer ein und wird hier den Griechen ein Grieche. Wo ist die Grenze der Anpassung? Welche Gefahren gibt es heute, das Evangelium misszuverstehen?
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