
Die Gemeinde ist der Leib Christi - Jesus ist das Haupt! Von daher entwickelt Paulus ein hilfreiches Konzept des Gemeindebaus. Die Gaben Christi, die Liebe (agape) und die Einheit in Christus sind dabei wichtige Bausteine.

V 1 - 6: Paulus setzt bei unserer Berufung ein. Sie soll uns demütig voreinander und geduldig miteinander machen (V 2). Christus hat uns nicht berufen, weil wir besonders geeignet wären oder weil wir Verdienste vorzuweisen hätten. Er hat uns aus freiem Entschluss mit der größten Berufung beschenkt, die das Universum zu bieten hat: Gottes Kinder und seine Mitarbeiter zu sein. Und er nimmt diese Berufung auch dann nicht zurück, wenn wir versagen. Dieser Berufung, würdig zu wandeln heißt, anderen gegenüber demütig und großzügig und geduldig zu sein.
Vor allem heißt das, einander anzunehmen; denn alle sind aus derselben Gnade berufen. Die Liebe, von der Paulus in diesem Zusammenhang spricht, ist nicht nur ein Gefühl, sondern auch die Bereitschaft, ja zu sagen zu der Berufung des anderen. Auf diese Weise bewahren wir die Einheit des Geistes (V 3). Paulus sagt, dass wir uns um die Einheit eifrig bemühen müssen, denn allzu schnell wird sie durch falschen Eifer und trotz bester Absicht zerstört.
Oft entstehen Gräben, weil Nebensachen zu Hauptsachen erklärt werden, die uns dann voneinander trennen. Darum ist es gut, das in die Mitte zu stellen, was uns als die Hauptsache verbindet. Paulus betont deshalb, was alle Christen gemeinsam haben: Ein Leib, ein Geist... eine Hoffnung... ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott...
V 7 - 10: Wenn Gott will, dass wir in Christus eins sind, wie sind dann die Unterschiede zu bewerten? Paulus zeigt hier: Gott will, dass wir eins sind, aber er will uns nicht einförmig. Jeder ist individuell beschenkt nach dem Maß der Gabe Christi. Gott, der nichts in seiner Schöpfung serienmäßig herstellt, beschenkt auch im Blick auf die Gaben des Geistes individuell: Die Unterschiede kommen von ihm. Gott will die Einheit in der Vielfalt.
Paulus zitiert Psalm 68, 19 und deutet diese Stelle auf Christi Himmelfahrt. Als der erhöhte Herr teilt er nun Gaben an seine Nachfolger aus. Genauso hat übrigens auch Petrus am Pfingsttag das Ausgießen des Heiligen Geistes erklärt (Apg 2, 33).
Gott hat diese Gaben den Menschen gegeben. Da steht nichts davon, dass Gott sie etwa nach dem apostolischen Zeitalter ganz oder teilweise wieder zurücknehmen wollte. Die Gaben des Geistes in ihrer Vielfalt sind ein Geschenk unseres Herrn an uns, seinen Leib.
V 11 - 14: Paulus betont das er im griechischen Text. Die Gaben und Dienste in der Gemeinde sind nicht eine menschliche Erfindung, sind auch nicht in unser Beleben gestellt, sondern von Jesus, unserem Herrn, eingesetzt. Im Unterschied zum 1. Korintherbrief hat der Apostel hier mehr die Gabenträger als die Gaben im Blick.
V 11: Und er hat einige als Apostel eingesetzt. Bei der hier folgenden Aufzählung geht es darum, am Beispiel der Gaben für Wortverkündigung und Seelsorge, Grundsätzliches über Mitarbeit aufzuzeigen. Apostel werden an erster Stelle genannt. Wir denken zunächst an die Zwölf, die Jesus als Erstzeugen erwählte. Apostel = Gesandter, Bote. Als "Botschafter an Christi Statt" (2. Kor 5, 20) erfüllten sie seinen Sendungsauftrag (Mt 28, 19). Aber auch Paulus nennt sich Apostel (1. Kor 9, 1). An zweiter Stelle stehen die christlichen Propheten (Apg 13, 1), die Offenbarungen empfangen und in bestimmte Situationen hineinsprechen müssen (Apg 21, 10f.). Es folgen noch Evangelisten, Hirten und Lehrer. Während die Evangelisten nicht mit ihrem Auftrag an eine örtliche Gemeinde gebunden sind, besteht der Dienst der Hirten und Lehrer darin, an einem festen Platz auf lange Zeit auf Dauer der Gemeinde durch Leitung (Apg 20, 28) und Vertiefung im Wort Gottes (Apg 28, 20a) zu dienen. Alle hier von Paulus genannten Dienstträger sind von Christus beauftragt, der Gemeinde zu dienen.
V 12: Damit die Heiligen (= Gemeindeglieder) zugerüstet (= geschult) werden zum Werk des Dienstes (= Mitarbeit). Dadurch soll der Leib Christi (= Gemeinde) erbaut werden (= wachsen).
Bei diesem Gemeindeaufbau geht es um zweierlei:
- Jeder einzelne Christ soll sein volles Maß in Christus erreichen. Es genügt nicht, wenn nur einige geistlich wachsen, wir sollen alle (V 13!) von der Unmündigkeit zur Reife des Erwachsenenalters kommen.
- Wir sollen dabei wachsen in Richtung auf die Einheit des Glaubens. Diese Einheit liegt also noch vor uns und ist Ergebnis eines Wachstumsprozesses (vgl. Phil 2, 1-2).
V 15 - 16: Von Christus aus wird der Leib zusammengefügt und zusammengehalten. Er, das Haupt, gibt die Wachstumsimpulse und gibt den einzelnen Organen ihre Funktion. Nur was durch Christus wächst, führt zur Einheit des Leibes. Was aus sich selbst wächst, ist Wucherung, Geschwür oder nur Prothese.
Wenn auch Christus das Wachstum seines Leibes schenkt, so ist es doch unsere Entscheidung, ob wir wachsen wollen. Paulus fordert uns auf: Lasst uns wachsen! Unser Beitrag dazu ist, günstige Bedingungen dafür zu schaffen. Das Ziel alles geistlichen Wachsens ist geistliche Reife.

Die Einheit der Gemeinde ist das Ziel eines Wachstumsprozesses.
Wir sollen einander annehmen und dienen, damit der Leib als ganzer zusammenwächst.
Einheit bedeutet nicht Gleichförmigkeit. Gott teilt seine Gaben in unterschiedlicher Weise aus. Er liebt die Mannigfaltigkeit. Wir sollten uns mit ihm freuen, dass er so viele schöne unterschiedliche Gaben gibt.
Gerade weil Gott die Vielfalt liebt, ist es wichtig, dass wir seine Berufungen anerkennen. Wir sind aus Gnade berufen und sollen in gleicher Weise auch die Berufung des anderen anerkennen.
Die von Gott gegebenen Gaben dienen dem Gemeindeaufbau. Er will sie auch heute austeilen.

- Mit welchen Bildern beschreibt Paulus die Gemeinde?
- Was macht für Paulus eine Gruppe von Menschen zu einer Gemeinde?
- Versucht miteinander zu klären, welche Bedeutung beim Gemeindebau den Geistesgaben zukommt. Sprecht besonders über die fünf in V 11 genannten Dienste.
- Welche Aufgabe hat für Paulus die Gemeinde?
- Paulus schreibt aus dem Gefängnis. Welchen Einfluss könnte das auf seine Ausführungen haben?

- Welche Gabe habe ich - hat jeder von uns - von Christus zum Dienst in der Gemeinde empfangen?
- Formuliert die Ziele Eurer Gemeindearbeit anhand des Textes.
- Weshalb ist es so wichtig, dass wir einander die Berufung glauben? Wo gibt es dabei Grenzen?
- Betet für den Aufbau Eurer oder einer anderen Gemeinde in Eurem Ort. Welche Bedeutung hat Eure Gruppe für den Aufbau der Gemeinde?
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