
Unser Text führt uns ganz an den Anfang alter Dinge zurück: Wie war das damals, als die Schöpfung zum ersten Mal erwachte - als die Schöpfung erschaffen wurde; damals, als es noch nicht einmal die Zeit gab, als es noch nichts gab - außer Gott? Grenze des Denkens. Zeit zum Staunen!

V 1-2: Ganz am Anfang war nur Gott, ganz allein. Wo war er eigentlich, wenn es Himmel und Erde noch nicht gab? Unvorstellbar, dieser Gott: der Ursprung alles Lebens - mitten im Nichts!
Aber dann ruft Gott die ganze Welt aus dem Nichts ins Sein, ebenso unvorstellbar! Und das alles ist kein Hokuspokus, sondern so harte Arbeit für Gott, dass er nach sechs Tagen ausruht. Und die ganze Schöpfung bekommt diesen gnädigen Rhythmus: sechs Tage Arbeit, ein Tag Ruhe.
Die Erde ist zunächst das totale Chaos, Tohuwabohu heißt das auf hebräisch. Aber ein Anfang ist gemacht. Ein Chaos lässt sich ordnen.
V 3-5: Es werde Licht! Gott redet, und es geschieht. Das unterscheidet unser Reden von Gottes Reden. Menschen machen viele Worte - vergeblich. Gott sagt ein Wort - und es geschieht. Himmel und Erde sind seine Schöpfung, sein Eigentum.
Licht und Finsternis sind die ersten Ordnungsprinzipien in dieser Welt -und sind es bis heute geblieben: Licht steht für Tag, für Gutes, für Leben; Finsternis für Nacht, für Böses, für Tod. Ein erster Tag, obwohl noch keine Sonne aufgehen konnte und keine Sterne und kein Mond da waren. Gottes Licht leuchtet aber.
V 6-8: Es werde Ordnung! Das Licht des zweiten Tages scheint über ein ungeformtes Chaos: kein Oben und Unten, kein Wasserkreislauf, alles durcheinander. Gott teilt das Wasser ein in das Wasser der Tiefe und das Wasser des Himmels.
V 9-13: Es werde Leben! Das Licht des dritten Tages scheint auf die Erde, die noch keine Form hat. Kein Land in Sicht, alles vermischt, nur Sumpf und Abgrund. Jetzt wird das verbliebene Wasser eingegrenzt. Wasser heißt Leben, Wasser heißt aber auch Tod. Land und Meer müssen getrennt bleiben, will das Leben gedeihen. Das erfahren Küstenbewohner deutlicher - und manchmal grausamer als "Landratten". Pflanzen aller Art werden jetzt ins Leben gerufen, in unvorstellbarer Vielfalt und Farbenpracht.
Der dritte Tag ist vorbei. Und noch immer gibt es keine Sonne am Himmel, nur Gottes Licht.
V 14-19: Es werde Zeit! Es gab schon Tage - noch ohne Sonne. Jetzt aber wird unser Zeitmaß geschaffen. Zeit ist Begrenzung. Zeit muss man einteilen, man kann mit ihr rechnen, und doch gehört sie uns nie ganz, sie verfliegt, unwiderruflich (Vgl. Offb 22,5). Vorbei ist vorbei.
Die alten Völker sahen in Sonne, Mond und Sternen Götter. Für die Bibel sind sie nur Lichter - ohne Namen. Sie entgöttlicht den Sternenhimmel: Schöpfung sind sie, damit wir die Zeit einteilen können, mehr nicht. Das ist Befreiung von kosmischen Mächten, Sternen und Sternzeichen, von Magie und "Fantasy". New Age ist veraltet, bevor es gedacht wurde. Am vierten Tag also scheint endlich die Sonne und ergänzt das Urlicht des ersten Tages: Frühling der Erde.
V 20-23: Es werde Leben in Luft und Wasser! Jetzt werden die ersten Tiere geschaffen, ihr Leben beginnt im Wasser. Wassertiere und Vögel - jedes nach seiner Art: Geradezu verspielt scheint Gott zu sein: Formen und Farben in einem auch heute noch unvorstellbaren Artenreichtum. Keine Zufallsprodukte, sondern Zeugnis von Gottes faszinierender Phantasie! Der fünfte Tag ist erfüllt vom Singen der Vögel, dieser zweite Frühlingstag der jungen Erde.
V 24-25: Es werde Leben auf dem Lande! Die Erde bringe hervor: So einfach entstehen die Landtiere, wenn Gott spricht, in gleicher Vielfalt wie die Wassertiere und Vögel. Jetzt ist ein biologisches Gleichgewicht da. Es fehlt nichts mehr. Die Schöpfung käme gut ohne den Menschen aus, sie brauchte ihn nicht. Aber Gott will ihn:
V 26-29: Der Mensch - zum Herrschen berufen! Mit dem Menschen schafft Gott sich ein Gegenüber, einen Gesprächspartner. Das will die Rede von der Ebenbildlichkeit verdeutlichen. Gott will nicht allein bleiben. Und darüber hinaus überträgt er sogar einen Teil seiner Macht an den Menschen! Das ist Vertrauen auf Vorschuss und ein gewagtes Untertangen: Dieses jüngste -und fast überflüssige - Geschöpf soll herrschen über alles, was es bisher auf Erden gibt. Hier leuchtet etwas davon auf, wie herrlich und unvergleichlich Gott den Menschen eigentlich gedacht und geplant hat. (Vgl. Ps 8, 6-7) - Ein Jammer, dass dieser Adel schon bald bis zur Unkenntlichkeit verzerrt wird und dass die Herrschaft des Menschen zeitweise wie ein Fluch über der Schöpfung liegt! (Vergleiche dazu die nächste Lektion - und die Tageszeitung!)
Gott schafft Mann und Frau. Der Mensch soll sich vermehren. Fruchtbarkeit - und damit auch Sexualität sind von Anfang an gute Schöpfungsgaben Gottes. (Das wird in 1. Mose 2, 24 noch einmal ausdrücklich für die Ehe bestätigt.)
Es fällt auch auf, dass der Mensch hier noch Vegetarier ist (V 29). Er soll aus dem Überfluss der Früchte leben, nicht aber auf Kosten anderen Lebens. Das Töten von Tieren wird erst viel später erlaubt, nach der Sintflut (1. Mose 9,3; vgl. Lektion 3). Dann wird auch das grausame Gesetz der Lebenserhaltung gelten: Es gibt nur Leben auf dieser Erde, indem anderes Leben sein Leben lässt!
1. Mose 1, 31 - 2, 4a: Der gnädige Rhythmus. Keine Gewerkschaft, sondern Gott selbst hat den Ruhetag eingesetzt - für sich und für eine damals noch unvorstellbar vollkommene Welt. Diese Ruhe Gottes hat etwas zu tun mit der Ur-Harmonie der Schöpfung. Daran will uns jeder Sonntag erinnern.

Wir haben die Schöpfungsgeschichte nachgezeichnet und dabei gemerkt: Es ist ein Text zum Staunen, der uns an die Grenzen unseres Denkens führt. Das festzuhalten, ist ganz wichtig, denn zu schnell schieben sich menschliche Theorien über die Weltentstehung in den Vordergrund. Es lohnt sich, beim Text zu bleiben.

- Was hat Gott an den verschiedenen Tagen der ersten Woche geschaffen?
- Beschreibt die Beziehung zwischen Gott und Mensch aufgrund dieser Geschichte. Was bedeutet es, dass Gott den Menschen "zu seinem Bilde"(V 27) schuf?
- "Macht euch die Erde untertan" (V 28): Was hat Gott damit gemeint?
- Gott segnet die Erde und den siebten Tag der Woche. Wie drückt sich dieser Segen aus?

- Gott spricht - und es geschieht. Sein Wort hat also Macht und Nachdruck. Was bedeutet das für uns, wenn wir sein Wort lesen oder hören?
- Gott ordnet das Chaos. Er schafft alles Leben und gibt ihm eine gute Struktur. Was heißt das für unser eigenes Leben?
- Gott liebt die unvorstellbare Vielfalt. Wo stehen wir in der Gefahr, einspurig und eng zu werden? Wie sehen Enge und Weite in der Gemeinde aus?
- Gott will den Menschen als sein Gegenüber, als seinen Gesprächspartner.
- Gott überträgt ihm Macht und damit Verantwortung für die Schöpfung. Was bedeutet das für unser oft nur von persönlichen Problemen bestimmtes Beten?
- Alles, was Gott geschaffen hat, ist sehr gut!
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