
Jesus wurde vom Geist in die Wüste geführt und vom Teufel auf die Probe gestellt. Obwohl die Versuchungen zum Teil auf den Auftrag Jesu als Messias zielten, sind sie doch auch Warnungen für uns, da Jesus wie wir in allem (Hebr 4. 15) versucht wurde.

V 1.2a: Die Überschrift der Einheit spricht von der Wüste als dem Versuchungsort. Eigentlich sind es drei Schauplätze: die Wüste, der Berg und der Tempel. In der 40tägigen Fastenzeit tritt der Teufel als Versucher auf. Jesus überwindet den Versucher, weil er mit der Vollmacht des Heiligen Geistes ausgerüstet ist.
V 2b - 4: In der ersten Versuchung geht es "nur" darum, dass Jesus seinen Hunger stillen soll. Die Fastenzeit ist vorbei. Er darf wieder essen und braucht nicht weiter Hunger zu leiden. Hunger ist eine natürliche und selbstverständliche menschliche Regung. Wer nichts isst, gar vierzig Tage und Nächte, hat eben Hunger.
Der Satan tritt an Jesus heran und fordert ihn auf, aus einem Stein Brot zu machen. Mit einer Fangfrage zieht Satan die Hoheit Jesu in Zweifel: Bist du Gottes Sohn...? Der Versucher wendet immer den gleichen Trick an. Er stellt Gottes Wort in Frage. Gott hatte doch kurz zuvor bei der Taufe die Gottessohnschaft Jesu ausdrücklich bestätigt! Vielleicht reicht der Teufel Jesus einen Stein, der wie ein Brotlaib aussieht, und bittet ihn, seine Vollmacht unter Beweis zu stellen. Aus totem Material soll er ein lebenspendendes Nahrungsmittel machen. Jesus kann Steine zu Brot machen, ebenso wie er ein anderes Mal aus Wasser Wein macht (Joh 2,1 -11). Es ist ihm auch offenbar nicht verboten, die ihm von Gott verliehenen Kräfte zu seinem eigenen Nutzen einzusetzen. Bei anderen Gelegenheiten tut er es (Joh 8, 59; 18, 6; Lk 4, 30). Doch hier sagt Jesus Nein zu dem Ansinnen des Teufels. Er sagt nicht, der Mensch brauche kein Brot, sondern Brot allein genüge nicht. Die sinnvolle Ergänzung dieses Ausspruchs bedeutet: Der Mensch braucht vor allem etwas anderes: das Wort Gottes. Jesus ist überzeugt, dass das vom Teufel geforderte Verwandlungswunder nicht dem Worte Gottes entspricht. Weder will er mit Hilfe des Teufels seinen Hunger stillen, noch für die Menschen die Brotfrage auf diese Weise lösen, um so ihr Brotkönig zu werden (vgl. Joh 6, 14-15).
V 5 - 8: Mit der zweiten Versuchung stellt der Teufel Jesus vor die Frage, ob er das Heil der Menschen durch politische Macht erreichen wolle. Das hieße: Die Weltherrschaft durch einen Huldigungsakt vor dem Teufel zu erlangen. Dabei brauchte Jesus sich nicht von Gott loszusagen, sondern "nur" die gegebene Tatsache hinzunehmen, dass die Welt dem Teufel gehört, dass er der Fürst dieser Welt ist: Eine Tatsache, die Jesus nie bestritten, sondern mehrfach ausdrücklich anerkannt hat (vgl. Joh 12, 31; 14, 30; 16, 11). Diesem Zugeständnis soll jetzt Ausdruck verliehen werden durch einen Kniefall, wie vor den Herrschern der Welt damals üblich war. Dafür will der Teufel zugunsten Jesu auf die Weltherrschaft verzichten.
Das Ziel der Weltherrschaft hat Gott längst für seinen Sohn bestimmt. Das Angebot des Satans aber besteht darin, dieses Ziel ohne Kampf, ohne Not und ohne Tod zu erreichen. Würde Jesus auf das Kreuz verzichten, könnte die Menschheit nicht, wie Gott es wollte, erlöst werden. Jesus widersteht dieser Versuchung ganz konsequent. Er will nicht den einfacheren Weg gehen. Jesus lehnt es ab, weil er weiß, dass ohne das Kreuz die Wett bleiben würde, was sie ist: eine gottferne Welt, und im wahrsten Sinne des Wortes trost - lose Welt. Satan darf nicht den Erlösungsplan Gottes verhindern So antwortet Jesus: Es steht geschrieben: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen." Für Jesus gibt es keinen Kompromiss. Außer und neben Gott verdient niemand totale Huldigung!
V 9 - 12: Die dritte Versuchung ist die teuflischste. Zunächst merkt man ihr gar nicht an, dass es eine Versuchung ist. Der Teufel fordert von Jesus doch nichts anderes, als sich völlig und ganz auf Gott zu verlassen. Er soll "nur" seinen Glauben an Gott unter Beweis stellen So wirf dich von hier hinunter. Der Teufel untermauert seine Herausforderung zum Vertrauen auf Gott sogar mit einem Bibelwort: ... damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt. Er gibt sich als frommer Mann. Er steht an heiliger Stätte und zitiert Gottes Wort. Auch Jesus benutzt keine andere Waffe als Gottes Wort. Sie stehen gleich auf gleich. Und doch: Was für ein Unterschied! Der Teufel weiß, was er erreichen will und sucht nun in der Schrift einen Spruch, der sein Vorhaben rechtfertigen soll. Jesus fragt zuerst nach Gottes Wort, oder handelt nicht. Der Teufel macht Gottes Wort zu seinem Diener, Jesus lässt das Wort Gottes Herr sein. Der Teufel stellt sich über das Wort, Jesus darunter.
Er weiß: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen. So kann er der Versuchung widerstehen. Es geht ihm nicht um Schauwunder, sondern um Gehorsam.

Bei der Brotfrage (V 2b-4) geht es nur vordergründig um das Stillen des Hungers. Jesus muss sich entscheiden, ob er seine Aufgabe darin sieht, den Menschen nur rein materielle Hilfe zu bringen oder Gottes Plan zu erfüllen.
Die Machtfrage (V 5-8) zeigt eine teuflische Möglichkeit, wie Jesus die Weltherrschaft auf scheinbar leichtem Weg erreichen könnte. Jesus entscheidet sich für eine kompromisslose Unterordnung unter Gott und damit für den schwereren Weg, den Weg ans Kreuz.
Die Glaubensfrage (V 9-12) zeigt auf, wie ein leichtfertiges Umgehen mit dem Wort Gottes das geforderte Vertrauen ins Gegenteil umkehrt. Vertrauen fordert uneingeschränkten Gehorsam. Es verzichtet auf Effekthascherei oder Sensation.

- Erklärt das Wort "Versuchung"? Wie wird es in diesem Text verwendet?
- Wie wird Jesus versucht? Mit welchen Mitteln? In welchen Bereichen?
- Wie geht es Jesus nach dieser Begegnung? Vergleiche Lk 4, 14-15.
- Warum wird diese Geschichte von Jesus so ausführlich erzählt?

- Bei Versuchungen durch den Teufel müssen wir unterscheiden, ob uns Mögliches oder Unmögliches abverlangt wird. So hingen einige Versuchungen in der Wüste mit dem "messianischen" Auftrag Jesu zusammen. Welche? Was bedeutet es für uns, wie Jesus sie bestanden hat (Hebr 4. 15)?
- Bei den Versuchungen Jesu ging es zunächst um scheinbar belanglose Erwartungen: "Nur" Hunger stillen. Wie darf ich mir das verschaffen, was ich brauche?
- "Nur" die Tatsache anerkennen, dass dem Teufel die Welt gehört. Wie ernst muß ich solche Realität nehmen?
- "Nur" Glauben an Gott unter Beweis stellen. Wie weit darf das Wagnis des Glaubens gehen?
- Inwieweit gibt es auch in unserem Leben Versuchungen im Blick
- auf die materiellen Dinge (Brotfrage),
- auf Machtausübung über andere Menschen (politische Frage)
- auf das Zur-Schau-stellen des Gottvertrauens (Glaubensfrage)?
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