
Das Kreuz Jesu ist das Zentrum unseres Glaubens. Kann uns der Kreuzigungsbericht neu erschüttern und zu einer Stellungnahme herausfordern: Wer ist der gekreuzigte Jesus für mich?

Die Kreuzigung Jesu ist historische Tatsache. Markus reiht nüchtern die Einzelheiten dieses Geschehens aneinander. Er nennt Zeugen. Nur sehr zurückhaltend wertet und deutet er Sterben und Tod Jesu durch die Anklänge an Psalm 22.
V 20b - 24: Die Kreuzigung Jesu
V 20b: und sie führten ihn hinaus: Hinaus aus dem Palast des Pontius Pilatus, wo er verspottet und mißhandelt worden war (15, 16 - 20); - hinaus aus der Stadt, weil Hinrichtungen nur außerhalb der Stadtmauern vollzogen werden durften.
V 21: Jesus ist von der Auspeitschung zu geschwächt, um den schweren Querbalken des Kreuzes tragen zu können. Simon von Kyrene (Nordafrika), ein zufälliger Passant, muss das für ihn tun. Seine beiden Söhne scheinen später zur christlichen Gemeinde zu gehören. (Ein Rufus wird in Röm 16,13 erwähnt.)
V 23: Den üblichen Betäubungstrank lehnt Jesus ab. Er leidet bewusst.
V 24: und sie kreuzigten ihn: Die eigentliche Hinrichtung beschreibt Markus nicht, "um nicht grausamer Phantasie oder Erinnerung Raum zu gewähren" (R. Pesch). Die Römer haben die Kreuzigung, eine der schrecklichsten Todesstrafen, als Sklavenstrafe und als Abschreckung gegen Freiheitskämpfer erfunden.
... sie warfen das Los: Wie abgestumpft müssen die Henker schon sein, wenn sie die letzte Habe des Gekreuzigten unter sich verlosen und den Sterbenden dabei zuschauen lassen. Markus bindet hier ein Zitat aus PS 22, 19 in seinen Bericht ein. Er setzt Jesus gleich mit dem leidenden Gerechten aus diesem Psalm. Er hat seinen Tod nicht selbst verschuldet, sein Leben und sein Tod sind ganz dem Willen des Vaters unterworfen (Mk 8, 31).
V 25 - 32: Die Verspottung Jesus am Kreuz
V 26: Der König der Juden: Schon die Schuldangabe muss man als Spott verstehen. So soll ein König aussehen?
V 27: Und dieser "König" ist eingerahmt von seinem "Hofstaat", wahrscheinlich zwei militanten Freiheitskämpfern. Auch dies mag eine bewusste Verhöhnung darstellen.
V 29 - 30: Zuerst lästern Passanten. Sie sehen den Messiasanspruch Jesu durch das Kreuz widerlegt. Markus lässt an dieser Stelle Ps 22, 8-9 anklingen.
V 31-32b: Auch die "religiösen Autoritäten" spotten über Jesus. Höhnisch fordern sie ein Wunder, damit sie an ihn als Messias glauben können. Doch der wahre Messias legitimiert sich nicht selber. Er erniedrigt sich und verzichtet darauf, sich selbst zu retten. Schon die Schrift hat ihn so charakterisiert (Jes 53, 3-5).
V 32b: Auch die Mitgekreuzigten zählt Markus zu den Spöttern (anders Lk 23, 40-43).
V 33 - 39: Der Tod Jesu am Kreuz
V 33: Die dreistündige Dunkelheit ist vom Alten Testament her als ein Zeichen für ein kommendes Gottesgericht zu verstehen (Am 8, 9-10; Joel 3,4; Jes 13,10).
V 34: Die Schilderung des Sterbens Jesu gipfelt in seinem klagenden Gebetsruf. Er nimmt die Worte aus Psalm 22 zu Hilfe, um seine Not und sein Vertrauen vor Gott zu bringen. Ausgerechnet der, von dem er sich verlassen weiß, wird Adressat seines Hilferufes: Mein Gott, mein Gott...
V 35-36: "Eloi" und "Elia" sind eigentlich nur schwer zu verwechseln. Deshalb müssen wir wohl den Einwurf der Passanten als lästerliche Verdrehung des Gebets Jesu werten.
V 37: Sehr knapp ist der überraschend schnelle Tod Jesu berichtet. Der laute Schrei kennzeichnet in der Bibel manchmal jemanden, der von Gottes Geist erfüllt ist (Lk 1, 41- 42: Offb 5, 12).
V 38: Der in zwei Teile zerrissene Vorhang im Tempel ist ein Bestätigungszeichen Gottes für Jesus, den Messias (vgl. Hebr 10, 19-20).
V 39: Die zweite Bestätigung Jesu kommt aus dem Mund des römischen Hauptmanns, der Jesu Sterben beobachtet. Was hat ihn dabei so beeindruckt, dass er in ihm Gottes Sohn erkennt?
Möglicherweise ist es Jesu letzter, geisterfüllter Schrei gewesen. Dieser Vers lautet in manchen Handschritten : Dass er so schreiend verschied.
V 40 - 41: Die Frauen beim Kreuz Jesu
Markus benennt am Ende seines Evangeliums Zeuginnen des Sterbens, der Grablegung (15, 47) und der Auferstehung Jesu (16, 1).

Jesu Kreuzestod ist einsam
Im Vergleich mit den anderen Passionsberichten bleibt bei Markus am deutlichsten der Eindruck: Welch ein furchtbares Leiden wird hier beschrieben! Die Stundenangaben markieren ein Sterben, das sich quälend lange vollzieht. Zu der körperlichen kommt die psychische Qual der Verspottung, die Markus ausführlich schildert. Für drei Stunden ist die Szene in Dunkel gehüllt. Der Schrei der Verlassenheit bleibt das einzige Jesus-Wort am Kreuz, das Markus überliefert. Er ist von den Jüngern verlassen (14, 50); und er ist von Gott verlassen: Die Sünde, die auf Jesus lastet (Joh 1,29), trennt ihn vom heiligen Gott (Hab 1,13). Für den, "der von keiner Sünde wusste" (2. Kor 5, 21) und der immer ungetrübte Gemeinschaft mit dem Vater hatte, muss dies die härteste Gehorsamsprobe gewesen sein.
Jesu Kreuzestod ist Gericht und Gnade
Warum musste Jesus Christus, der Gerechte, sterben? Die Dunkelheit ist das Zeichen für ein Strafgericht Gottes. Am Kreuz hält Gott Gericht über die Sünde der ganzen Welt. Jesus nimmt diese Sündenlast auf sich, (2. Kor 5,21; 1. Petr 2,24). In Markus 10,45 deutet Jesus sein Leben als Dienst und sein Sterben als Erlösung für viele. Schon im Alten Testament ist sein stellvertretendes Sterben beschrieben (Jes 53, 5). Für die schuldbeladenen Menschen bedeutet dieses Gericht am Sohn Gottes: Sie können Frieden mit Gott (Kol 1, 20), Rechtfertigung (2. Kor 5, 21) und ewiges Leben (Röm 6, 23) haben. Der Weg zu Gott ist frei (Hebr 10,19-20). Die neutestamentlichen Briefe erklären immer wieder neu, warum Jesu Tod am Kreuz die Mitte unseres Glaubens ist.
Jesu Kreuzestod ist Anstoß
Paulus weiß, dass das Wort vom Kreuz für viele eine Torheit, ein Skandal ist (1. Kor 1,18). In Vers 32 fordern die Juden ein Wunder als Messiasbeweis, und bis heute ist der schmähliche Kreuzestod für viele Menschen ein Stein des Anstoßes. Aber für den heidnischen Hauptmann wird das Sterben des Gottessohnes ein Anstoß zum Sinneswandel. Sein Bekenntnis zum Sohn Gottes fordert zur Stellungnahme heraus: Verwirfst du, Jesus, den Gekreuzigten, oder nimmst du ihn an als deinen Retter?

- Welche Personen sind an der Kreuzigung beteiligt bzw. werden Zeugen des Ereignisses?
- Mit welchen Gefühlen werden diese Personen die Kreuzigung beobachtet haben? Wen könnt Ihr am besten verstehen, wen weniger? Warum?
- Lest Ps 22. Welche Bezüge findet Ihr zu dem Text?
- Sind wir in der Lage, kurz, einfach und klar auf die Frage zu antworten: Warum mußte Jesus sterben?

- Was bedeutet Jesu Tod für Dich? Hast Du schon Stellung genommen?
- Welche Erfahrungen mit Psalmen habt Ihr in Zeiten der Einsamkeit gemacht?
- Kann je ein Mensch verlassener sein als Jesus am Kreuz? Was bedeutet das für unsere Verlassenheiten?
- Wir wollen uns freuen, danken und feiern, dass Jesu Tod uns von der Sünde erlöst hat. Gestaltet dazu doch einen kleinen Gottesdienst!
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