
Die Angebote, wie wir glücklich werden können, sind heute z. B. in der Werbung vielfältig. In unserem Text macht Jesus klar, wie Menschen Gottes das Glück finden.

Vorbemerkung: Die Bergpredigt ist das "Grundgesetz Jesu". Es ist zu beachten, dass Jesus hier zu den Jüngern spricht. In unserem Abschnitt geht es um die "Seligpreisungen". Selig sind... kann man auch übersetzen "zu beglückwünschen sind" oder "gut sollen es haben". Das Glück, das Jesus anpreist, ist weit mehr als alles irdische Glück, das letztlich vergänglich ist. Die Jünger sollen in der Gemeinschaft mit ihrem Herrn zu einem Leben befähigt werden, das Gott ehrt. Dabei dürfen die Jünger voller Hoffnung auf die Vollendung des Reiches Gottes sein. Das machen die jeweiligen Nachsätze der Seligpreisung deutlich (denn sie ...).
V 1 - 2: Als er aber das Volk sah - das ist mehr als eine bloße Feststellung (9,36). Die Jünger treten zu ihm, und er lehrt sie. Das Volk hört zwar mit, aber was er zu sagen hat, können wohl nur die recht zu Herzen nehmen, die ihm angehören. Am Ende der Bergpredigt reagiert das Volk entsetzt (7, 28).
V 3: Selig sind, die da geistlich arm sind. Die geistlich Armen sind Menschen, die erkannt haben, dass sie vor Gott Habenichtse sind. Zu diesen gehören hier wohl besonders die "kleinen Leute", denen die Pharisäer immer wieder sagen, dass sie von Gott nichts zu hoffen haben, weil sie das Gesetz nicht kennen. Für diese Menschen steht Jesus ein. Ihnen verheißt er das Himmelreich - nicht als billige Vertröstung auf ein Jenseits -, sondern als gegenwärtiges Heil und feste Hoffnung auf die Vollendung.
V 4: Selig sind, die da Leid tragen. Die Leidtragenden stehen in der Schicksalsgemeinschaft mit Jesus. Wie er müssen auch sie Verkennung ertragen und durch Verfolgungen gehen (Joh 15, 20). Wem Jesus Trost ist, der wird im Leid vor Bitterkeit bewahrt und behält den Blick frei für das Reich Gottes (vgl. Ps 37, 11).
V 5: Selig sind die Sanftmütigen. Die Sanftmütigen sind keine Duckmäuser, sondern Menschen, die auch Schweres ertragen können, ohne aufzubegehren. Sie erheben nicht die Schwerter, sondern ihre Herzen. Denn sie werden das Erdreich besitzen. Jesus verheißt den Sanftmütigen die Erde als Geschenk. Sie werden einmal das Land erben, das Gott seinem Volk verheißen hat (2. Petr 3, 13; 2. Mose 3, 7. 8; Hebr 11, 14).
V 6: Selig sind, die da hungert und dürstet nach Gerechtigkeit. Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit Gottes ist immer auch verbunden mit der Sehnsucht nach Gerechtigkeit unter den Menschen (vgl. Lk 6, 36).
V 7: Selig sind die Barmherzigen. Gottes Erbarmen hat den Jüngern ein neues Leben geschenkt, in dem die Barmherzigkeit gilt. Barmherzigkeit erlangen bezieht sich auf das Endgericht (Jak 2, 13).
V 8: Selig sind, die reines Herzens sind. Höheres als Gott schauen gibt es nicht für uns Menschen. In Gottes Gegenwart ist alles klar und rein (vgl. 2. Mose 24, 9-11). Damit das auch bei uns so ist, werden wir gereinigt durch Jesu Opfer. Jetzt schon kennen wir Gott (2. Kor 3,18), dann aber werden wir ihn von Angesicht zu Angesicht sehen (Offb 22, 4).
V 9: Selig sind die Friedfertigen (besser: die Frieden stiften) Frieden gibt es auf dieser Welt nie von selbst. Er muß immer neu geschaffen werden. Denn sie werden Gottes Kinder heißen (wörtlich: Söhne). Wer im Namen Jesu Frieden stiftet, wird hier Sohn Gottes genannt; er handelt im kleinen wie Jesus (Eph 2. 14).
V 10 - 12: Selig sind, die um der Gerichtigkeit willen verfolgt werden. Luther schreibt: "Weh tut s: ihr meinet s mit der Welt gut und wollt ihr gern helfen, dass sie ewig selig würde, aber dafür verfolgt und lästert sie euch". Die Gemeinde bleibt bis zum Tag Christi angefochten, verfolgt und verkannt. Trotzdem wie M. Luther sagen zu können: "Das Reich muß uns doch bleiben" ist ein starkes Zeugnis für die lebendige Hoffnung des Glaubens.

- Leben ist Geschenk. Das gilt für das natürliche wie für das geistlilche Leben. "Beide Leben" sind ja in unserer Person vereint, beide müssen wachsen und reifen.
Wie für unser irdisches Leben die Eltern-Kind-Beziehung von entscheidender Bedeutung ist, so ist auch unser geistliches Leben - die Beziehung zu Jesus - durch nichts zu ersetzen (Joh 15, 4). Das Hören auf seine Stimme (Joh 10, 3ff.), das Lesen und Halten seines Wortes sind Ausdruck unserer Liebe zu ihm (Joh 14, 21).
- Das Vorbild Jesu hat prägende Kraft. Je mehr und selbstverständlicher wir fragen: "Wie hat Jesus in diesem oder jenem Fall gehandelt? Wie hat er auf Angriffe und Verleumdungen reagiert?" desto mehr wird es uns gelingen, in seiner Gesinnung zu leben und zu handeln (Phil 2,5f). "Lernet von mir" (Mt 11, 29), sagt Jesus, und da geht es um die Sanftmut, die in der Bergpredigt gepriesen wird.
- Recht leben lernen im Sinne der Seligpreisungen, dazu gehört auch die Gemeinschaft innerhalb der Gemeinde, die Hilfe und Korrektur durch andere. Es gilt, auch an Problemen und in Konfliktsituationen zu wachsen und zu reifen. Wer mit Jesus lebt, wird auch lernen, Belastungen und Leid zu tragen. Auch in diesem Stück hilft uns der Blick auf Jesus, den Überwinder - und das Zeugnis der vielen Menschen, die im Leiden bewährt wurden und Gott geehrt haben.

- Lest Mt 5, 1: Was erwartet und verlangt Gott von seinem Volk?
- Wie empfindet Ihr die Rolle, die Jesus in diesem Text übernimmt? Welche Beziehung zu seinen Jünger und den Menschen seiner Zeit drückt sich darin aus?
- Beschreibt das "Glück", das Menschen finden, die nach den "Seligpreisungen" handeln.
- Dieser Text hat viele Menschen beeindruckt und zum Nachdenken über ihr Handeln gebracht. Warum ist das so?

- Wo würdet Ihr Euch am ehesten bei diesem Text "einordnen"? Warum?
- Zu beglückwünschen sind die Menschen, die Gott nötig haben. "Gott nötig haben ist des Menschen höchste Vollkommenheit" (Kierkegaard). Heute meint man ganz andere Dinge nötig zu haben. Was braucht der Mensch wirklich?
- Zu beglückwünschen sind die Menschen, die an der Seite Jesu leben lernen. Was Jesus im Leben seiner Jünger verwirklicht sehen will, ist nur möglich in enger Gemeinschaft mit ihm. Ohne den Bergprediger entartet die Bergpredigt zur politischen Aktion oder zu einem humanistischen Programm. Wo geschieht das heute? Wie beurteilt Ihr solche Ansätze?
- Zu beglückwünschen sind die Menschen, die an der Seite Jesu leiden lernen. Glückseligkeit der Bergpredigt gibt es nur zusammen mit der Bereitschaft zum Leiden, zum Verzicht und zur Friedfertigkeit. Sucht Modelte und Beispiele aus unserer Zeit, in denen Christen das verwirklichen.
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