
Darf man als Christ seinen Krankenkassenbeitrag um den Prozentsatz kürzen, mit dem Abtreibungen finanziert werden? Darf man seine Steuern um den Prozentsatz kürzen, mit dem die Rüstungsindustrie unterstützt wird? Was bedeutet es, dem Kaiser zu geben, was dem Kaiser gehört?

V 15 - 16: Was den religiösen Führern des Volkes auf amtlichem Weg (Kap. 21. 23) nicht gelungen ist, hoffen sie nun durch eine List erreichen zu können. Sie wollen Jesus loswerden (Mt 12, 14). Seine wachsende Popularität unter dem jüdischen Volk wird für sie immer gefährlicher. So senden die Pharisäer ihre Jünger, zusammen mit den Herodesanhängern zu Jesus (wer diese Gruppe war, weiß man heute nicht mehr genau), um ihm mit einer hinterlistigen Fangfrage eine Falle zu stellen.
V 17: Nun ist die Frage ausgesprochen! Man merkt förmlich ihren provokativen Wortlaut. Es ist doch unumgängliche Bürgerpflicht, dem Kaiser Steuern zu zahlen. Seit dem Jahr 6 n. Chr. wurde von allen Männern, Frauen und Sklaven im Alter zwischen 12 (bzw. 14) und 65 Jahren eine Kopfsteuer eingetrieben. Sie durfte mit dem römischen Silberdenar bezahlt werden, den fromme Juden gar nicht erst anfassten. Gleichzeitig war es aber auch eine Steuer, die den gläubigen Juden immer wieder neu bewusst machte, dass Israel unterworfen war.
Kann Jesus jetzt, vor dem zentralen Heiligtum der Juden, die Unterwerfung unter einen ungläubigen Herrscher bejahen? Muss er nicht dazu auffordern, dem Kaiser keine Steuern zu zahlen? Die Falle, die die Pharisäer gestellt haben, ist also nicht zu umgehen. Sagt Jesus, dass die Steuern gezahlt werden müssen, dann ist er in den Augen der Juden ein feiger Verräter - und damit erledigt. Sagt Jesus nein, dann gilt er für die Römer als Rebell, auf frischer Tat ertappt, käme ins Gefängnis - und wäre damit auch erledigt. Eine brisante Frage also, zumal von den 62 Kriegen, Aufständen und Rebellionen in den 300 Jahren der jüdischen Unterdrückung 61 von ihnen mit einer Kampagne gegen das Steuerzahlen begannen.
V 18 - 20: Jesus durchschaut die hinterlistige Falle und entlarvt die Fragenden als Heuchler. Aber er geht auf ihre Frage ein. Er bittet sie, ihm eine Steuermünze zu zeigen. - Das heißt doch wohl, dass er selbst solch ein heidnisches Geldstück gar nicht besitzt. Auf jeden Fall müssen die Pharisäer einen eigenen Denar hervorholen und ihn Jesus hinhalten. Wie peinlich!
Mit dem Denar (Silbergroschen) ist der Tiberius-Denar gemeint. Es zeigt das Brustbild des Kaisers, geschmückt mit einem Lorbeerkranz und mit der anstoßerregenden Umschrift: "Kaiser Tiberius, des göttlichen Augustus anbetungswürdiger Sohn". Und auf der Rückseite: "Oberster Priester" mit einer Abb. der Kaiserin-Mutter auf dem Götterthron. Der Tiberius-Denar widersprach eindeutig dem zweiten Gebot der Juden (vgl. 2. Mose 20, 4).
Eine so belastete Münze auf dem geheiligten Boden des Tempelvorhofes in die Hand zu nehmen, war für einen frommen Juden eigentlich unmöglich. Jesus fragt seine Gegner nach dem genauen Aussehen der Münze, wobei Jesus den für jüdische Ohren bekannten Ausdruck "Bild(nis)" benutzt. Dieser Begriff erinnert zum einen an das zweite Gebot, zum anderen an den Schöpfungsbericht (vgl. 1. Mose 1, 27). Durch diese Verbindung wird deutlich, was ein rabbinischer Kommentator so zum Ausdruck gebracht hat: "Wer im Ebenbild Gottes geschaffen ist, der soll weder Abbilder von Götzen machen, noch anderen Ebenbildern Gottes (d. h anderen Menschen) untertan sein." Und Jesus fügt zur Verdeutlichung noch die Frage nach der Inschrift hinzu, die mit ihrer Vergötzung des Kaisers die Münze zu einer Gotteslästerung macht.
V 21 - 22: Durch ihre Antwort zeigen die Pharisäer, wie genau sie diese Münze kennen. Wahrscheinlich gehen sie jeden Tag damit um. Durch ihre Antwort erledigt sich aber auch ihre Ausgangsfrage fast von selbst. Man hätte sie nun mit Recht anklagen können: "Das Münzgeld des Kaisers nehmt ihr an, ohne es für Sünde zu halten: aber die Steuern an den Kaiser zu richten, das wollt ihr nun zur Sünde machen. Ihr Heuchler!" Deshalb antwortet Jesus ihnen: Nun seid doch konsequent. Wenn ihr schon das Geld des Kaisers benutzt, dann bezahlt doch auch damit die Steuern. Wörtlich: Gebt dem Kaiser zurück, was dem Kaiser gehört. (Nach damaligem Verständnis gehörten Münzen dem, der darauf abgebildet war.)
Letztlich garantiert der Kaiser eine Zeit des Friedens (pax romana). Sie stehen unter dem Schutz des römischen Imperiums (vgl. Röm 13, 1 ). Dafür kann der Kaiser auch seine Steuern fordern.
Damit ist der Anspruch Jesu aber noch nicht zu Ende. Jesus will nicht nur etwas über das Verhältnis zum Staat sagen. Die Spitze seiner Aussage kommt noch. Denn so, wie man dem Staat gegenüber Pflichten zu erfüllen hat, so hat man auch Gott gegenüber Verpflichtungen. "Gebt Gott zurück, was Gott gehört." Die Verpflichtungen Gott gegenüber gehen viel weiter als die Verpflichtungen dem Staat gegenüber. Der Staat verlangt nur ein paar Mark als Gegenleistung. Gottes Anspruch ist ein ganz anderer. Gottes Anspruch ist absolut. Er hat den Menschen nach seinem Bilde erschaffen, ihm das Leben gegeben, daher gehört ihm ihr Leben. Er hat Geld, Zeit, Wissen gegeben. Auch das gehört ihm. Die Menschen sind darüber nur Verwalter, sie haben kein Alleinbestimmungsrecht. So gilt es, vor allem dem Anspruch Gottes gerecht zu werden und ihm das zu geben, was ihm zusteht.

Jesus fällt auf die geschickt gestellte Falle nicht herein. Er lässt sich nicht auf eine Ja-Nein-Antwort festlegen. Er stellt die Frager in Frage - das ist Weisheit von Gott!
Jesus überführt die Ankläger ihrer eigenen Heuchelei. Da sie mit dem gotteslästerlichen Geld des Kaiser umgehen, ist es nur konsequent, dem Kaiser damit auch seine Steuern zu zahlen.
Jesus nimmt die Anfrage ernster als die Frager selbst. Er fordert sie auf, vor allem Gott zu ehren und ihm zu geben, was ihm zusteht.

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