
Wer ist Jesus Christus? Auf diese Frage gibt Markus von Anfang an eine klare Antwort: Er ist der Sohn Gottes und der Messias. Johannes der Täufer ist sein im Alten Testament angekündigter Vorbote.

V 1: Mit einem einfachen Satz beginnt Markus: Anfang des Evangeliums von Jesus Christus. "Evangelium" meint sowohl den Inhalt als auch die Literaturgattung des Buches. Hier vollzieht sich der Übergang von der mündlichen Jesusüberlieferung zur literarischen Form. Dabei sollten wir auf die Leuchtkraft des Wortes "Evangelium" achten. Der Akzent liegt auf der Vorsilbe (eu) des griechischen Wortes: eu-angelion, sie bedeutet: gut, Freude. Das Evangelium ist also eine Frohbotschaft im Gegensatz zu einer Drohbotschaft. Obwohl Johannes Buße (Umkehr) verkündigt, ist das Evangelium keine düstere Sache.
V 2.3: Bevor Markus von den Ereignissen um Jesus Christus berichtet, begründet er das Kommen Jesu Christi mit Prophetenworten des Alten Testamentes. Dieser Rückgriff auf das Alte Testament (und damit die Deutung prophetischer Aussagen auf Christus) gehören für Markus zu seiner Botschaft (vgl. 2. Mose 23, 30). Er erinnert damit an die Treue Gottes gegenüber Israel, weil Gott sein Versprechen eingelöst hat, den Messias zu senden. Diese drei Prophetenzitate werden in Vers 2 und 3 zusammengebunden. Was sie miteinander verbindet, ist die Tatsache, dass sie jeweils einen "Weg" beschreiben, den Gott aus einer bestimmten Notsituation heraus beschritten hat (vgl. Mal 3, 1 und Jes 40, 3). Einen solchen Weg hat Gott auch jetzt mit dem Kommen Christi eröffnet.
V 4.5: Johannes der Täufer ruft zur Umkehr und vollzieht die Taufe zur Vergebung der Sünden an denen, die sich vor Gott schuldig bekennen. Eine starke Resonanz auf den Bußruf entsteht im ganzen Volk einschließlich der Hauptstadt Jerusalem. Eine solche geistliche Erweckung hat man in Israel noch nie erlebt.
Der jüdische Schriftsteller Josephus, der diese Volksbewegung ebenfalls erwähnt, weiß sogar davon, dass Herodes Antipas einen Volksaufstand befürchtet hat und sich zum Eingreifen gezwungen sah (vgl. auch Mt 14, 5).
V 6: Johannes ist ein Prophet. Das zeigt sich auch an seiner Kleidung und Lebensart. Sie erscheint uns etwas absonderlich, aber sie gibt Kunde von der sprichwörtlichen Genügsamkeit eines Gottesmannes. Was hingegen hätte ein Mensch, der sich ganz der Welt angepasst hätte, ihr überhaupt noch zu sagen gehabt? Gehören nicht Botschaft und Lebensstil unaufgebbar zusammen?
V 7: Johannes macht mit seinem Heroldsspruch klar, dass er nicht der Messias (= Christus) ist.
Diesen führt Johannes anonym ein: Es kommt einer nach mir. Jeder sonst im Volk gebräuchliche Name wäre viel zu eng für den Messias gewesen. Diesen einen kündigt Johannes an. Er selbst beschreibt seine Stellung zum Messias mit einem jüdischen Sprichwort: Noch nicht einmal würdig zum Lösen der Schuhriemen (d. h. Sklavenarbeit).
V 8: Was Johannes mit dem Kommenden verbindet, was ihn aber auch von ihm unterscheidet ist die Taufe. Ich taufe mit Wasser, er wird mit dem heiligen Geist taufen. Das Lebenswerk des Johannes wird eine Fortsetzung finden: Die "Geisttaufe", die dann zu Pfingsten geschieht, ist die Erfüllung dieser Sehnsucht (Apg 2, 1-21).
V 9: Als Jesus kommt und sich taufen lässt, kann das Erschrecken für Johannes nicht größer sein (vgl. Mt 3, 14). Schon seine Herkunft aus Nazareth in Galiläa muss Befremden auslösen (Joh 7, 52): sein Begehren. sich taufen zu lassen, machte die Erschütterung vollständig. Jesus - der angekündigte "Geist-Täufer" (V 8) - lässt die Wasser-Bußtaufe an sich vollziehen. Daran wird sein eigentlicher Auftrag deutlich: Stellvertretung für die Sünder.
V 10.11: Als Jesus aus dem Wasser aufsteigt, kommt die Antwort vom Himmel. Der Geist setzt sich wie eine Taube auf Jesus und die Stimme aus dem Himmel gibt die Bestätigung. Es ist recht so, dass Jesus mit der Taufe der Buße sich mit den Menschen gleichgestellt hat. Darum wird er mit dem Geist erfüllt und als Sohn Gottes legitimiert.

Der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes, beginnt eigentlich schon im Alten Testament. Die Zitate aus dem Alten Testament sind nicht schmückendes Beiwerk, sondern Begründung für das Kommen Christi. Wo Jesus hinkommt, kommt auch das Alte Testament hin (V 1.2).
Der Bote, den Gott voraussendet, ist Johannes der Täufer. Die Bewegung, die durch sein Auftreten, seine Predigt und seine Taufe ausgelöst wird, führt zu einer religiösen Erneuerung. Sie ist nicht die Folge einer politischen Umwälzung (V 3-8).
Die Taufe Jesu am Jordan war das erste öffentliche Auftreten Jesu. Dass er die Taufe zur Vergebung der Sünden selbst begehrte, zeigt an, dass Jesus sich unter die Schuld und Sünde seines Volkes stellt. Dieser Dienst der Stellvertretung und Schuldübernahme wird von Gott bestätigt (V 9-11).

- Wie beginnt Markus sein Evangelium? Warum so?
- Welche Botschaft verkündigt Johannes der Täufer? Warum ist sie so wichtig für Markus?
- Das Markusevangelium ist eine Freudenbotschaft. Das erste berichtete Ereignis ist der Aufruf zur Buße durch Johannes den Täufer. Freude und Buße, wie passt beides zusammen?
- Die Zitate aus dem Alten Testament (V 2.3) zeigen auf, dass Markus diese unmittelbar auf Jesus bezieht, d. h. also christologisch bewertet. Warum ist das möglich? Wo geschieht dies auch sonst noch im Neuen Testament?

- Die Taufe durch Johannes am Jordan und die Taufe mit Heiligem Geist am Pfingsttag in Jerusalem (Apg 2, vgl. Einheit 23) markieren jede für sich einen Abschnitt der Heilsgeschichte. Was haben beide Ereignisse gemeinsam, worin unterscheiden sie sich? Vgl. Joh 3, 5.
- Worin lag das Motiv, das Jesus veranlasst hat, sich von Johannes taufen zu lassen? Was können wir daraus lernen?
- Bei Johannes gehören Botschaft und Lebensstil zusammen. Gilt das auch für uns heute? Wie alternativ sollte unser Lebensstil sein?
- Sprecht darüber, ob und wie Buße einen Menschen aufschließen kann für das Reden und Handeln Jesu!
- Wie könnten wir heute Menschen aufrütteln und auf Jesus hinweisen?
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