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im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden

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Teil 2Große Texte der Bibel II:
Überblick Neues Testament
Einheit 11Seht, so ist Gott!
Von Ernst Greif
lesenLukas 15, 11-32; besonders Lukas 15, 25-32

lernen

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn ist einer der bekanntesten und wichtigsten Texte der Bibel. Jesus macht hier Gottes vergebende Liebe groß und deutlich. Der zweite Teil der Gleichnisse ist nicht so bekannt. Da geht es um den älteren Sohn, der Problem mit der Vergebung des Vaters hat. (Der erste Teil des Gleichnisses wurde ausführlich behandelt in Treffpunkt Bibel 1/89 sowie in den Sonderheften 1 und 2.)

erklären

In V 1 - 2 erfahren wir den Anlass für das Gleichnis. Die Pharisäer waren empört über die Haltung Jesu zu den Zöllnern und Sündern. Diese galten als hoffnungslose Fälle und so "unrein", dass der Kontakt mit ihnen für jeden gesetzestreuen Juden unmöglich war und sie von jeder Gemeinschaft ausgeschlossen waren. Wenn Jesus sich ihnen zuwandte und mit ihnen aß, wussten sie: Gott will uns wieder in seine Gemeinschaft aufnehmen! Für die Pharisäer und Schriftgelehrten dagegen bedeutete das Verhalten Jesu eine Lästerung Gottes. Ihnen lagen die Gebote und die Tradition der Väter so am Herzen, dass sie auf ihre strengste Befolgung achteten.

Drei Gleichnisse erzählt Jesus seinen Kritikern. Daran können wir ablesen, wie sehr er sich um sie müht. In unserer Einheit ist es der ältere Sohn, in dessen Verhalten sich die Pharisäer und Schriftgelehrten wiederfinden sollen. Wir wollen darum diesen Text aus der Sicht des älteren Sohnes verstehen lernen.

V 25 - 27: Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Er erfüllt seine Pflichten im Elternhaus, wie es den Geboten entspricht. Das Fest im Haus überrascht ihn. Doch er wendet sich nicht an den Vater. Darin kann schon ein Vorwurf liegen. Die Antwort des Knechtes informiert ihn nicht nur, sie lässt ihn auch die Freude spüren, die alle im Haus erfüllt. Gesund fasst zusammen, was die Verse 24 und 32 nennen.

V 28: Da ward er zornig. Was macht den Älteren so zornig? Für ihn bleibt der Jüngere der Sünder, mit dem er jede Gemeinschaft ablehnt. Deshalb bleibt er draußen. Der Zorn richtet sich auch gegen den Vater: Wie kann der so schnell über die Schuld des Jüngeren hinweggehen? Woher weiß der Vater überhaupt, dass sich der Sohn geändert hat? Wie kann der Vater diesen Sohn noch lieben, nachdem ihm das alles angetan wurde?

Wie sehr der Vater den Älteren liebt, erkennen wir an seinem Verhalten: Er geht zu ihm heraus (vgl. V 20), obwohl der Sohn eigentlich zu ihm hineingehen müsste. Er bat ihn: hier schwingt das gleiche Erbarmen mit, das der Vater für den Jüngeren hatte. Der Vater kommt dem Älteren weit mehr entgegen. Doch der Altere sieht das nicht. Sein Zorn macht ihn blind für die Liebe seines Vaters. - Was hat er eigentlich vom Wesen seines Vaters begriffen, wenn er sich jetzt so verhält?

V 29: Die Antwort wird im Zorn gesprochen, ohne Anrede beginnt sie mit einem harten: Siehe... Seine Vorwürfe stehen im krassen Widerspruch zur Wirklichkeit (V 31). Denn er konnte doch über alles verfügen! Seine falsche Sicht wirkt sich zerstörend aus: Plötzlich wird ihm der Dienst zur Last, die Erfüllung der Gebote zu einer Leistung, die Sohnesbeziehung zu einem freudlosen Sklavendasein! - Welche Ursache hat dieses gebrochene Verhältnis des Älteren zum Vater?

V 30: Nun aber, da dieser dein Sohn... So verächtlich redet er von seinem Bruder. Wir wollen aber auch beachten, was der Ältere dem Vater nicht vorhält:

  • Er hat dem Jüngeren das Erbe schon zu Lebzeiten ausgezahlt.
  • Der Bruder hat mit seiner Tätigkeit als Schweinehirt die Ordnung seines Volkes verletzt (vgl. 3. Mose 11, 7).
Lediglich mit dem Vorwurf, alles verprasst zu haben (V 13f.), hätte er Recht, wenn sein Zorn ihn nicht zu Übertreibungen verleitet hätte. Der Zorn setzt Gemeines und Schlechtes aus dem Herzen frei (Jak 1, 21). Warum tut im Zorn kein Mensch, was vor Gott recht ist (Jak 1, 19b-20)?

V 31: Mein Sohn. So liebevoll redet der Vater ihn an. Schöner lässt sich nicht beschreiben, was ein Vaterhaus Kindern bedeutet. Mit jedem dieser Worte will der Vater verhindern, seinen älteren Sohn zu verlieren; darum verliert er nicht die Geduld. Sie gilt seinen beiden Söhnen - dem, der tot war und wieder nach Hause zurückgekehrt ist, und dem, der immer zu Hause war und doch tot ist in Lieblosigkeit und Selbstgerechtigkeit. - Warum verliert der Vater nicht die Geduld?

V 32: Er war verloren und ist wiedergefunden. Vers 24 zeigte schon, warum der Vater so handeln mußte: Mit der Teilnahme am Festmahl wusste der Jüngere, dass ihm vergeben war und er in das Vaterhaus wieder aufgenommen wurde (vgl. Lk 15, 7). - Wie wird der Ältere darauf antworten? Jesus lässt offen, wie die Geschichte ausgeht.

bündeln

Jesus vergleicht das Verhalten der Pharisäer und Schriftgelehrten mit dem des älteren Sohnes. Sie können sich nicht mitfreuen, wenn anderen vergeben wird.

In ihrem Kampf gegen die Sünde werden die Pharisäer selbst zu Sündern.

Jesus wendet sich an die Pharisäer, die "älteren Söhne", um ihnen zu zeigen: So ist Gott! Wie der Vater im Gleichnis wendet er sich den Sünderin in grenzenloser Liebe zu.

vertiefen

  1. Beschreibt das Verhältnis der beiden Brüder und vergleicht es dann mit der Beziehung zwischen den Pharisäern bzw. Schriftgelehrten und den Zöllnern bzw. Sündern.
  2. Welche Gefühle bestimmen das Verhalten des älteren Bruders?
  3. Wie sollte nach Gottes Willen mit Sündern umgegangen werden?
  4. Welche biblischen Zusammenhänge erkennen wir? Gott bekämpft die Sünde mit den Mitteln der Liebe. Jesus steht mit seinem Leben dafür ein (Röm 5, 8). Wer seinen Sohn für uns sterben läßt, kennt die Macht des Bösen und beweist, wie sehr er uns liebt. Darum ist die Vergebung dergrößte Beweis der Liebe Gottes und keine "billige Gnade". Sie stellt die Beziehung zu Gott und den Menschen wieder her.

anwenden

  1. Mit dem offenen Ende der Geschichte lädt Jesus uns ein, die Gefahren zu erkennen, zu denen ein gesetzlicher Umgang mit dem Wort Gottes führen kann und über unsere Beziehung zu Gott nachzudenken. Wer ist in dieser Geschichte wirklich der "verlorene Sohn"?
  2. Was ist auf Grund dieser Geschichte regelgemäßes Verhalten in der Gemeinde, was nicht?
  3. Kann es dazu kommen, dass eine Gemeinde in eine Haltung gerät, die dem älteren Sohn entspricht? Wie können wir das verhindern?
  4. Wie können wir gegen die Sünde kämpfen, ohne selbst schuldig zu werden?
  5. Warum fällt es uns oft so schwer, anderen zu vergeben?
  6. Wo liegt der Unterschied zwischen gnädiger Vergebung und "billiger Gnade"?
  7. Was überzeugt Euch in dieser Geschichte, die Liebe Gottes anzunehmen?
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Dr. Gyburg Beschnidt; Missionarische Gemeindedienste im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden
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