
Gott will, dass sein Evangelium bis an die Enden der Erde kommt (vgl. Apg 1, 8). Hier geht es um das Teilziel Europa. Gott greift direkt ein. Er durchkreuzt die Pläne des Paulus und ruft ihn nach Griechenland.

Der Anlass zur zweiten Missionsreise des Paulus ist der Wunsch, die Entwicklung der vor kurzem gegründeten Gemeinden in Kleinasien zu verfolgen (vgl. Apg 15, 36) und gegebenenfalls Nacharbeit zu leisten. Als weiteren Auftrag sollen Paulus und seine Mitarbeiter den Gemeinden einen Brief mit dem Beschluss der Apostel aus Jerusalem vorlegen (vgl. Apg 15, 22 - 29).
Paulus reist mit Silas (Apg 15, 40), Timotheus (Apg 16, 3) und Lukas, dem Verfasser der Apostelgeschichte (Apg 16, 10 - 17; die Wir-Form schließt Lukas ein).
V 1 - 3: In Lystra lebt ein junger Mann mit dem Namen Timotheus. Seine Mutter und auch seine Großmutter (vgl. 2. Tim 1, 5) waren an Christus gläubig gewordene Jüdinnen, sein Vater war Grieche. Timotheus selbst wird möglicherweise durch die Predigt des Paulus während der ersten Missionsreise gläubig. Er bewährt sich als Mitarbeiter in den Gemeinden, und Paulus nimmt ihn mit auf die zweite Missionsreise. Später wird Timotheus eigenständig das Werk weiterführen, das Paulus begonnen hat.
V 4 - 5: Paulus kann seinen Auftrag erfüllen. Er überbringt die Beschlüsse der Apostelversammlung. So kommt es zur Klärung umstrittener Fragen und damit zu neuem Wachstum für die Gemeinden. Nun plant Paulus, neue Gemeinden zu gründen.
V 6 - 8: Es wurde ihnen vom heiligen Geist verwehrt, das Wort zu predigen in der Provinz Asien. Paulus will in die großen Städte Ephesus, Laodizea und Philadelphia (in der heutigen Westtürkei) reisen, um dort das Evangelium zu verkündigen. Seine Missionstätigkeit ist genau geplant; wenn möglich sucht Paulus immer das Zentrum einer Region auf (ein Grundsatz, der bis heute in der Missionsarbeit berücksichtigt wird).
Doch hier greift Gott ein. Er hat einen anderen Plan mit Paulus und seinem Team (vgl. Jes 55, 8-9). Wie dieses Eingreifen praktisch ausgesehen hat, wird uns von Lukas nicht berichtet. Es muss aber deutlich erkennbar gewesen sein. Paulus kann also nicht einfach weiterziehen. So versucht er eine andere Möglichkeit. Er möchte nach Norden, wahrscheinlich zu den großen Städten Byzanz, Nicäa und Chalzedon. Doch auch hier greift Gott verwehrend ein. Paulus und seine Mitarbeiter müssen einige hundert Kilometer durch dünn besiedeltes Land bis an die Küste der Ägäis nach Troas ziehen.
V 9 - 10: Paulus sah eine Erscheinung bei Nacht: Durch eine direkte Vision teilt Gott dem Paulus seine Pläne mit. Der Weg führt von Kleinasien nach Europa. Die Erleichterung und Gewissheit durch den klaren Hinweis nach den Wochen der Unsicherheit wird auch im Text sichtbar: Da suchten wir sogleich nach Mazedonien zu reisen.
V 11 - 13: Philippi (mit seinem Hafen Neapolis) war eine führende Stadt (nicht Hauptstadt) Ostmazedoniens. Sie war eine römische Kolonie, das bedeutet, dass in ihr hauptsächlich Soldaten der römischen Armee angesiedelt wurden, die ihren Dienst quittiert hatten. Die Bürger Philippis besassen besondere römische Privilegien (das hatte auch Bedeutung für Paulus und Silas; vgl. Apg 16, 37 - 39), eine autonome Verwaltung und Steuerfreiheit. Die Stadt war direkt Rom und nicht der Provinzverwaltung unterstellt.
Um einen regulären Synagogengottesdienst abhalten zu können, mußten mindestens zehn erwachsene männliche Juden anwesend sein, was in einer römischen Kolonie wohl schwerlich zu erreichen war. So trafen sich einige Frauen an einer Gebetsstätte, die nach jüdischer Tradition oft am Wasser lag. Dort, etwas außerhalb der Stadt, fanden Paulus und seine Begleiter diese Gebetsstätte und die dort versammelten Frauen.
V 14 - 15: Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, handelte mit den teuren Stoffen, die damals als Luxusartikel galten, Die Stadt Thyatira lag in Lydien/Kleinasien und war bekannt für ihre Purpurindustrie.
Lydia hatte wohl in Philippi eine Handelsniederlassung. Dass sie als Hausherrin genannt wird, könnte bedeuten, dass sie Witwe oder unverheiratet war.
Sie war eine gottesfürchtige Frau. Etwa im vierten Jahrhundert vor Christus begann eine Übertrittsbewegung ins Judentum. Die eigentlichen Übertrittsjuden, die Proselyten, vollzogen den vollen Eintritt durch die Annahme der Beschneidung, durch ein Tauchbad und durch ein Opfer im Tempel. Daneben entstand die große Gruppe der Gottesfürchtigen (vgl. Apg 2, 5; 10, 2; 13, 26.43; 17, 4.17). Diese nahmen an den jüdischen gottesdienstlichen Versammlungen teil und hielten einige wichtige Stücke des Gesetzes, z. B. die Sabbat- und Speisegebote, wurden aber nicht als Glieder der jüdischen Kultgemeinde verstanden.
Aus dem, was sie von Paulus gehört hatte, zog Lydia die Konsequenzen. Der tat der Herr das Herz auf (= sie wurde gläubig) und sie wurde mit ihrem Hause getauft. Damit sind die Bewohner ihres Hauses gemeint, also Familienmitglieder und Bedienstete.

Paulus unternimmt seine zweite Missionsreise wieder mit einem Team von jungen Mitarbeitern.
Gott "erweitert" die Pläne des Paulus einerseits durch Korrektur der Reiseroute und andererseits durch eine deutliche Vision.
Lydia wird die erste Christin auf europäischem Boden und ihr Haus zur Missionsstation.
Jesu Missionsauftrag aus Apg 1, 8 ist wieder in einem wichtigen Stück erfüllt worden. Das Evangelium hat Europa erreicht - bis ans Ende der Welt ist es jedoch noch weit...

- Was zeichnete Timotheus als Mitarbeiter des Paulus aus?
- Welche Missionsstrategie hatte Paulus? Wie zeigt sie sich in diesem Text?
- Was beeindruckt Euch an Lydia?
- Wie erleben die einzelnen Personen unseres Textes die Führung Gottes (vgl. dazu 1. Tim 4,14; 2. Tim 1, 5 - 6)? Welche Wege geht Gott mit ihnen?

- Welche Vorteile hat ein Team von Mitarbeitern in der Missions- und Gemeindearbeit gegenüber einem "Einzelkämpfer"?
- Sprecht darüber, wie Ihr konkrete Führung Gottes in Eurem Leben erfahren habt.
- Wo gibt es in der Umgebung Eurer Gemeinde "Neuland", in das Gott Euch führen möchte?
- Gibt es auch heute Missionsfelder, die Gott uns verwehrt?
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