
In Thessalonich waren einige Christen gestorben; die Gemeinde fürchtete, diese hätten durch ihren Tod den Tag verpasst, an dem Christus wiederkommt. Dazu nimmt Paulus Stellung.

V 1: Der Tag des Herrn: Dieser Ausdruck stammt aus den prophetischen Büchern des Alten Testamentes und meint den Zeitpunkt, wenn Gott aus seiner Unsichtbarkeit hervortritt, wenn seine Herrschaft auf dieser Erde sichtbar beginnt und er Gericht hält über alles Böse An diesem Tag rettet und erneuert Gott sein Volk und gibt ihm Zukunft in einem neuen Himmel und auf einer neuen Erde. Nach der Botschaft des Neuen Testaments beginnt dieser "Tag des Herrn" damit, dass Jesus Christus sichtbar wiederkommt (vgl. dazu auch 1. Thess 4, 13 - 18).
Wann und wie geschieht das?
- Überraschend, wenn niemand damit rechnet;
- schnell, denn dann werden sich die Ereignisse überstürzen;
- unwiderstehlich, denn niemand kann ihn aufhalten.
V 2: Wie ein Dieb in der Nacht. Schon Jesus hatte eindringlich vor allen Vorausberechnungen seiner Wiederkunft gewarnt (Mt 24, 42-44; Lk 12. 39). Das bedeutet aber nicht, dass der Christ nicht mit der Wiederkunft Jesu rechnet! Gerade das Wissen um Jesu unerwartete Wiederkunft soll nicht zum "Gaffen in den Himmel" (vgl. Apg 1, 11) verführen, sondern zum Wachen (V 6) zum Glauben, zur Liebe und zur Hoffnung (V 8) anregen!
V 3 - 5: Und wenn sie sagen werden ... Durch die Menschheit geht eine unsichtbare Trennungslinie. Die einen rechnen nicht mit diesem Tag und nicht mit diesem Herrn. Für sie wird es eine schreckliche Überraschung sein, dass Jesus wirklich lebt und Herr aller Herren ist, und dass ihr Leben völlig verkehrt war - und das durch eigene Schuld, weil sie der Botschaft Christ keinen Glauben geschenkt haben.
Ihr aber... d. h. die Leser des Briefes und alle, die zu Jesus gehören, wissen und rechnen damit, dass dieser Tag und dieser Herr kommt. Sie wissen nicht nur davon; ihr Leben ist auch zutiefst geprägt von Jesus und der Zukunft, die er schenkt (d. h. Kinder des Lichts und Kinder des Tages).
V 6 - 8: So lasst uns nicht schlafen wie die andern. Ob jemand sich auf diese Zukunft einstellt, zeigt sich an seinem Verhalten im Alltag. Wer wach ist für die Wirklichkeit und mit dieser Zukunft Gottes rechnet, der praktiziert im Alltag Vertrauen auf Jesus, Liebe zu Gott und den Menschen, er freut sich auf Gottes Zukunft. Und wo ihn Zweifel, Versuchung und Feindschaft bedrängen, erfährt, er Liebe und Hoffnung als etwas, was ihn im Glauben bewahrt und gegen diese Angriffe schützt. Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei werden auch hier genannt (vgl. 1. Kor 13, 13) und mit dem Panzer und dem Helm verglichen (V 8). Siehe auch Eph 6, 14 - 17. Die anderen "schlafen" und haben keinen Blick für die Wirklichkeit Gottes, oder sie wehren solche Gedanken ab, indem sie sich berauschen - durch Alkohol, Ideale oder Weltanschauungen.
V 9 - 11: Ist es schrecklich, dem Richter aller Menschen zu begegnen? Ist es schwer, bis zu jenem Tag durchzuhalten? Christen dürfen sich von ganzem Herzen auf ihren kommenden Herrn und Retter freuen. Denn wer sich im Glauben an Jesus gebunden hat, der weiß: Weil er meine Schuld vergeben hat, wartet auf mich nicht der Zorn des Richters, sondern die große, Rettung und die große Freude, nicht der Tod, sondern das Leben. Das gilt für die, die dann leben, wenn er kommt (wachen) - und ebenso für die, die vorher gestorben sind (schlafen).
Hier geht Paulus noch einmal auf das Problem der Gemeinde in Thessalonich ein, das in 1. Thess 4, 13 zur Sprache kommt. Dass wir uns auf den kommenden Tag freuen dürfen, macht uns Mut; dass wir uns auf ihn einstellen sollen, dazu ermahnen sich Christen gegenseitig. Und sie helfen einander, einen festen Platz als Bausteine im Bau der Gemeinde zu finden.

Der Weg der Menschheit und der Welt geht nicht endlos weiter. Gott setzt den Schlusspunkt, wenn Jesus als Herr über alles wiederkommt.
Christus, dem Herrn über alles, zu begegnen, wird für die Menschen entweder die größte Freude oder der größte Schock sein.
Wer Gott gegenüber ein Leben lang gleichgültig bleibt oder sich im Rausch verliert, wird dann Gottes Zorn erfahren.
Wer sich ganz dem Licht Gottes öffnet, d. h. vor ihm ganz ehrlich wird und sich ganz auf den kommenden Tag einstellt, der darf sich darauf freuen.
Wer mit dem kommenden Tag und dem kommenden Herrn rechnet, wird sich in seinem Alltag entsprechend verhalten.

- Paulus beschreibt die Zeit, in der die Christen leben. Was ist ihm wichtig?
- Welche Antwort gibt Paulus auf das Anliegen der Gemeinde?
- Wie soll sich die Gemeinde verhalten?
- Jesus Christus wird kommen wie ein Dieb in der Nacht. Vergleicht dazu Mt 24, 43; Lk 12, 39; 2. Petr 3,10; Offb 3, 3; Offb 16, 15.

- Der Tag des Herrn ist entweder Anlass zur Freude oder zum Schrecken. Was empfinden wir, wenn wir daran erinnert werden?
- Wir rechnen damit, dass der Herr bald wiederkommt. Andererseits ist uns jede Berechnung eines Datums verwehrt. Was empfiehlt uns Paulus angesichts dieser Spannung?
- Kinder des Lichtes unterscheiden sich von den Kindern der Finsternis. Welche Verhaltensweisen sind für Kinder des Lichtes nicht (mehr) möglich?
- Was können wir tun, um dem Misstrauen (Mangel an Glauben), dem Egoismus (Mangel an Liebe) und der Resignation (Mangel an Hoffnung) zu begegnen?
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